Samstag, 31. Oktober 2009

Taiwanlinks im Oktober 2009

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Nahe der National Chengchi University, Taipeh.


Taiwan in der deutschsprachigen Presse.

Politik, Kultur und immer wieder "Taiwan, das Randthema"©
:

Tut mir sehr leid für das (selbst fur meine Verhältnisse) wenige Bloggen in den letzten beiden Monaten. Ich erinnere mich mit Scham an meine großspurigen Ankündigungen, denen hiermit in einer virtuellen Gedenkminute nachgesonnen sei...

...


Zurück zum Üblichen. Der Oktober war mal herrlich ertragreich.

Zunächst schrieb Klaus Bardenhagen für die Deutsche Welle über die "Trügerische Harmonie in der Taiwan-Straße" und lässt dabei - man wundert sich beinahe, dass sowas noch möglich ist - auch mal eine Stimme der Opposition zu Wort kommen. Bemerkenswert auch der viel zu selten zu lesende Hinweis darauf, dass die Fronten im politischen Miteinander Chinas und Taiwans nicht mehr hauptsächlich zwischen KMT und DPP verlaufen, ja die Linien nicht mal mehr zwischen KMT und KPCh gezogen werden können. Stattdessen steht die DPP in den wichtigen Fragen zur Zukunft Taiwans einer gemeinsamen Phalanx aus KMT und KPCh gegenüber, wobei sie vor allem der KMT als Pfand in Verhandlungen mit der VRCh-Regierung dient. Wie im Artikel richtig bemerkt: "Die Kuomintang ist für die Kommunisten weniger unbequem. Sie hält an der Republik China fest, die laut Verfassung noch immer ganz China umfasst." (Wobei man noch hinzufügen möchte: ... sowie die Äußere Mongolei, Tibet etc...) (01.10.)

Die zweite Pflichtlektüre im Oktober: In einem ausführlichen Text widmete sich der in Taiwan lebende Sinologe und Schriftsteller Stephan Thome der Identitätsfrage seiner Wahlheimat. (01.10.) (Mehr zum Autor hier und hier. Ein Interview mit dem Autor u.a. zur Buchmesse gibt es hier.)

Man könnte ähnlich qualitativ hochwertige Artikel zu Taiwan noch viel häufiger lesen, wenn sich bestimmte Agenturen oder alteingesessene "Leitmedien" nur endlich dazu durchringen könnten, ihre Korrespondenten öfter einmal hier im Lande unterzubringen.


Frankfurter Buchmesse: In der NZZ schreibt Christiane Hammer, dass der Stand Taiwans auf der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr China als Gastland eingeladen hat, zum ersten Mal seinen Namen in "Taiwan Publishers" ändern muss... gut, dass China keine Kultur-Veranstaltungen politisiert, noch besser, dass man in der Buchmesseleitung schon mal mit gutem Beispiel vorangeht und zeigt, wie man sich zu verhalten hat, wenn demnächst das Tributsystem von einst wieder eingeführt werden wird. (07.10., mehr zum Thema hier; und hier für eine Analyse der SZ darüber, wie China "Kultur" als ["unzertrennlichen"] Bestandteil seiner Außenpolitik begreift.)

Auch in der Berichterstattung zur Buchmesse ließ sich bezüglich Taiwan eine neue Tendenz entdecken, man siehe z.B. diesen Artikel bei boersenblatt.net (letzter Absatz), wo man den Eindruck bekommt, die "Wieder"Vereinigung hat schon stattgefunden. Hier geht es zwar um die Buchmesse, aber es ist auffällig, dass auch bei Wirtschaftsartikeln, Taiwan nun immer öfter im Zusammenhang mit China, Hongkong und Macao genannt wird, wo früher gängigerweise von den Tiger-/Drachenstaaten (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) die Rede war. Ein neuer Trend oder bloß ein falscher Eindruck? (07.10.) (weitere Beispiele: 1, 2) (Wenn man dann noch Artikel wie diesen lesen bzw. Dinge wie diese in Interviews hören muss, kann man sich nur grausig ausmalen, wie Taiwan in Diskussionen der Buchmesse insgesamt wegkam.)

Die für ihre Kooperation mit der Buchmesse kritisierte taz brachte auch ein paar Artikel zur Präsenz Taiwans, sorry, der Taiwan-Verleger. Der Autor dieses Artikels schien ebenso konfus wie der Umgang mit unserem liebgewonnenen Inselstaat auf der Buchmesse: da bekennt er sich erst zum Ein-China-Prinzip nur um dann einen Absatz später von der "Republik Taiwan" zu sprechen. In einem anderen Artikel der taz ging es um die zwei unterschiedlichen Pavillions Taiwans. Auf allen Büchern, die aus Taiwan kamen, prangte der Aufkleber: "Any claim denying the One China Principle in this book will be rejected." Das verstand Hu Jintao in seiner Ansprache Ende 2008 also unter "Betonung des gleichen kulturellen Erbes" und der "Vertiefung der spritituellen Beziehungen" beider Seiten. Wie gesagt, von Politisierung keine Spur.

Vor Ort in Frankfurt war aus Taiwan u.a. die in München lebende Autorin Jade Y. Chen
陳玉慧, deren Roman "Die Insel der Göttin" (Original: 海神家族) ins Deutsche übertragen wurde (hier eine Kurzbesprechung). Ebenfalls aus Anlass der Buchmesse brachte die taz einen Auszug aus dem neuen Buch von Lung Yingtai 龍應台, der sich mit der Belagerung von Changchun während des chinesischen Bürgerkriegs befasst. (13.10.) Mehr Hintergrundinfos zur Neuerscheinung und der Autorin fanden sich bei Spiegel Online. (15.10.) Zum Verbot ihres Buches im Vorfeld des chinesischen Nationalfeiertags schrieb die Epoch Times Deutschland. (05.10.)


In einer Pressemitteilung der Taipeh-Vertretung warb die taiwanische Regierung für ihre Umweltpolitik und gelobt weitere Fortschritte. (01.10.) Die Umwelt schonen wollte auch ein Taipeher Krematorium mit dieser Idee. (07.10.) Und mit einer ganz anderen Idee leistet die Stadt Taichung einen Beitrag, für den wirklich mal die Boulevardpresse herangezogen werden darf. (07.10.)

Hier ein Hinweis auf die Oktober-Ausgabe der Zeitschrift für Gehörlose Life in Sight, die einen Schwerpunkt zu den Deaflympics in Taipeh bringt. (01.10.) Einen begeisterten Rückblick auf die Spiele gab es hier. (10.10.)

Die katholische Kirche feierte 150 jähriges Bestehen in Taiwan. (03.10.)

Anfang Oktober wurden mehrere tausend Menschen zum Teil zwangsweise vor dem Taifun Parma in Sicherheit gebracht. (05.10.)

Die Bürgermeisterin von Kaohsiung Chen Chu sprach vor der Versammlung der Internationalen Stadtplanervereinigung über die Transformation ihrer Stadt. (06.10.)

Eine Studie der Medizinischen Universität von Kaohsiung stellt Verbindung zwischen psychischen Problemen und Internetsucht her. (06.10.) Weitere medizinische Untersuchungen gab es bezüglich der Auswirkungen von Hepatitis-B-Impfungen bei Neugeborenen auf die Diagnose von Leberkrebs. (08.10.)

Im Basketball-Gastspiel in Taipeh (nicht Taiwan!) siegten die Indiana Pacers gegen die Denver Nuggets. (08.10.)

Luxemburg eröffnet Taiwan-Vertretung in Taipeh. (10.10.)

In einer weiteren Pressemitteilung der Taipeh-Vertretung aus Anlass des Nationalfeiertags der Republik China wird noch einmal Werbung für die eigene Politik gemacht. (13.10.)

Bei Welt Online brachte man die Meldung über das Missgeschick eines Geldtransporters (14.10.)

sz-online wies auf die neue Ausgabe von Ostragehege – Zeitschrift für Literatur und Kunst hin, die sich in der neuen Ausgabe in einem Schwerpunkt der taiwanischen Literatur widmet. (14.10.)

Die Zeit ging auf die Probleme des ehemaligen französischen Präsidenten ein, den auch die fragwürdigen Fregattenverkäufe Frankreichs an Taiwan während der 90er Jahre einzuholen droht. (16.10.)

Aus der Reihe Kulturaustausch: Emmendingen begrüßte Gäste aus Taiwan. (16.10.) Mehr hier.

Der Standard schrieb über die etwas andere Betriebsfeier für Yahoo!-Angestellte in Taiwan. (19.10.)

Der Spiegel berichtete über Auswüchse der Buxiban-Kultur. (22.10.)

Über die neueste "Annäherung" zwischen Taiwan und China in Form eines Tourismusbüros konnte man bei tt.com lesen. (24.10.) Vornehmliche Aufgabe wird wohl sein, herauszufinden, wie man denn endlich mal mehr als die Hälfte der angekündigten 3000 chinesischen Touristen anlocken kann. Wenn ich meine chinesischen Bekannten auf eine Reise nach Taiwan anspreche, bekomme ich den Eindruck, dass ein Grundinteresse durchaus vorhanden ist, die Prioritäten bezüglich der Reiseziele aber andere sind. Frei nach dem Motto: ja, Taiwan ist nett, aber alles, was es da zu sehen gibt, haben wir hier in größer und billiger. Argumentier mal dagegen.

Ein Wiener zeigte sich beeindruckt von Taipeher Freundlichkeit und Sauberkeit während seines viertägigen Aufenthalts. (24.10.)

Holger Obermann schrieb einen hochinteressanten Artikel über seine Erfahrungen als "Fußball-Entwicklungshelfer" während der 70er Jahre in Taiwan. (24.10.)

Österreichischer Rabbiner in Taiwan erhält Auszeichnung.

Taiwan verschenkte 50 Millionen US$ an Verbündeten. (28.10.)

Der Oktober klang dann ähnlich interessantt aus, wie auch angefangen hatte, mit diesem Standard-Artikel, der auf die immer noch aktuelle militärische Bedrohung Taiwans durch die VBA hinweist. (28.10.) Eine Frage, die sich in dem Zusammenhang immer wieder stellt, ist auch inwieweit eine Reduzierung der Raketen, sollte sie je stattfinden, überhaupt aussagekräftig ist. Wenn die Raketen nicht gleich demontiert werden (oder realistischer verkauft; denn das Raketenarsenal ist ja auch eine nette Geldanlage für China), dann kann man sie natürlich jederzeit zurückstellen. Insofern wäre eine "Reduzierung", welche lediglich darin bestünde, die Raketen "wegzustellen", ein ähnlich schwammiges Zugeständnis wie der WHA-Beobachterstatus im April, nämlich eines, das jederzeit wieder rückgängig zu machen ist.

Ende Oktober fand in Taipeh eine Parade Homosexueller und Unterstützer statt, die für stärkere Gleichberechtigung gleichgeschelchtlicher Paare demonstrierten. (31.10.) (Einen Artikel über die kirchlich organisierte Gegenparade konnte ich hier zum Glück nicht aussmachen.)


China-Observer: USA nehmen Taiwan Relations Act ernst, Waffen gibt es trotzdem erstmal keine. Taiwans Außenministerium will die Beziehungen mit der EU vertiefen. Ma Ying-jeou betont Primat der Wirtschaft in Beziehungen mit China (wie wenig Wirtschaft und Politik im China-Taiwan-Verhältnis wirklich voneinander zu trennen sind, sah man ebenfalls diesen Monat wieder). Präsident will bessere Beziehungen zu den USA. Taiwans Militär testete Chinas Wohlwollen. Obwohl er vor der Wahl anderes versprochen hatte, übernahm Präsident Ma nun doch wie seine beiden Vorgänger den Parteivorsitz. Großes Entsetzen gab es über die Lockerung von US-Rindfleisch-Importen. Wenn ich mich noch an die ganze Aufregung in D wegen BSE erinnern könnte...

Weitere Links von Interesse: Monika Treut (Regisseurin von "Ghost" 曖昧, mehr hier) im Interview mit der Taipei Times. Darüberhinaus brachte die Zeitung einen Artikel über die Kritik deutscher Chinawissenschaftler an der Berichterstattung deutscher Medien über China (vor allem während der Olypmischen Spiele. Das Thema war schon öfter im Blickfeld von Chinawissenschaftlern (PDF). Wenn jetzt Taiwan eine ähnliche Aufmerksamkeit zukommen würde...



Wirtschaft und Technik:

Channelpartner.de schreibt über weitere Lockerungen der taiwanischen Regierung für Investitionen in China mit der Stilblüte: "...im befeindeten kommunistischen Bruderland..." (01.10.)

Bei EMFIS.com erfährt man, dass immer mehr taiwanische LCD-Hersteller nach China abwandern wollen. (05.10.)

Ein Projektteam der Siemens-AG ist nominiert für den "Deutschen Project Excellence Award 2009" (sic!) für die Inbetriebnahme der Kaohisung MRT. (06.10.)

Börse-Go weist auf mögliche Ambitionen der Firma Invantec hin, bald nicht mehr nur Notebooks herzustellen (08.10.) und darauf, dass die Arbeitslosenrate auf Rekordhoch gestiegen ist. (22.10.)

Auf solarserver.de: Taiwanische Firma bestellt Laminieranlage aus Deutschland. (08.10.)

In einer weiteren Presseerklärung zeigt sich Taiwans Repräsentant in Deutschland zuversichtlich über die wirtschaftliche Erholung der Insel. (09.10.) (Mehr dazu hier. Thailand ist eigentlich kein Tigerstaat, aber sicher wie andere Länder Südostasiens eine aufstrebende Wirtschaftsnation. PS: Gerade noch mal nachgeguckt: es gibt für diese Länder tatsächlich den Begriff Pantherstaat... im chinesischen wiederum heißen sie "kleine Tiger", während die Staaten, die wir als "Tiger" bezeichnen "kleine Drachen" genannt werden, alles klar?)

Was macht man eigentlich mit dem ganzen Batzen Geld, das Taiwans renommierteste Universität jedes Jahr zugesprochen bekommt? Natürlich in sinnvolle Forschungsprojekte stecken, wie diesen Roboter-Pandabären... (10.10.)

Taipei Busbahnhof mit Hightech ausgerüstet. (12.10.)

Das Handelsblatt berichtet, dass der angeschlagene US-Versicherer AIG seine Taiwansparte für 2,2 Milliarden US-Dollar losgeworden ist. (13.10.)

Golem.de sieht Taiwans Industrie als Gewinner im E-Book-Geschäft. (16.10.)

Channelpartner.de über die wertvollsten Marken Taiwans. (19.10.)

ibtimes.de über Taiwans überraschend gute Exportsituation. (23.10.)

Taiwan wurde von der Beobachterliste der Financial Action Task Force on Money Laudering (FATF) gestrichen. (24.10.)

Auf http://german.china.org.cn/ hat man es geschafft, einen ganzen Artikel über wirtschaftliche Beziehungen zwischen Taiwan und China zu schreiben, ohne den Ausdruck "chinesische Inselprovinz" zu verwenden. (26.10.)

Finanzwirtschafter.de fragte, bald noch mehr Devisenhandel zwischen China und Taiwan? (30.10.)

Sonntag, 11. Oktober 2009

PNC 2009 Annual Conference

DSC08450Vom 6.-8. Oktober wurde in der Academia Sinica 中央研究院 die alljährliche Konferenz des Pacific Neighborhood Consortium (PNC) abgehalten. Hauptthema in diesem Jahr was das "Social Computing" und wie es sich in die Arbeit verschiedener Forschungsdisziplinen einbinden lässt. Ein Beispiel für die Verschmelzung von Technik und Forschungsarbeit ist die Electronic Cultural Atlas Initiative (ECAI) der University of California, Berkeley, über die mithilfe eines digitalen Geographischen Informationssystems (GIS) verschiedene Areale der auf ganzen Welt verbunden werden sollen. Zu den einzelnen Regionen werden dann z.B. frühgeschichtlich, sprachwissenschaftlich oder archäologisch relevante Daten zusammengetragen, die in einer Art digitalen Bibliothek für die Forscher jeweils anderer Felder zugänglich sind.

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Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist vor allem da wichtig, wo Aussagen über Epochen oder Völker getroffen werden sollen, aus bzw. von denen uns keine schriftlichen Primärquellen vorliegen. Über die Verbindung von Untersuchungen zu sprachlicher Entwicklung, archäologischen Ausgrabungen oder auch genetischer Vergleiche wird so z.B. versucht, Wissenslücken über Völkerwanderungen der Frühzeit zu füllen. Man geht davon aus, dass die so genannten austronesischen Völker in der Frühsteinzeit vom asiatischen Festland nach Taiwan kamen und dann beginnend vor über 6000 Jahren v.u.Z. einen Großteil der Asien-Pazifik-Region (neben dem insularen Südostasien vor allem Hawaii und die Osterinseln im Osten, Madagaskar im Westen, Neuseeland im Süden, siehe diese Karte) bereisten und besiedelten.

Taiwan kommt insofern eine hohe Bedeutung zu, als dass in der Forschung immer noch die (wenn auch nicht von allen geteilte) Theorie vorherrscht, dass die ältesten austronesischen Wurzeln in Taiwan zu finden sind und demnach die Besiedlung aller anderen Regionen von hier aus ihren Anfang genommen hat. (Mehr zum ECAI-Austronesien-Projekt unter der Leitung von Prof. David Blundell hier.)

Dieser "Austronesischen Verbreitung" widmeten sich die beiden Vortragsreihen am 8. Oktober, auf der insgesamt sechs Gastredner ihre Ergebnisse aus jeweils verschiedenen Forschungsdiziplinen vorstellten. Als erster Vortrag stand an: Taiwan, Southeast Asia and the Pacific, a Genetic Perspective von Stephen Oppenheimer. Aufgrund seiner genetischen Untersuchungen erachtet Oppenheimer die bisherige Theorie einer von Taiwan aus begonnen habenden Besiedlung des insularen Südostasiens (und darüber hinaus) während der Neusteinzeit als wenig wahrscheinlich. Für ihn deutet vieles daraufhin, dass die Völker-Urspünge in Melanesien oder den Bismarck-Inseln gesucht werden könnten und dass die Migrationen durch plötzliche dramatische Anstiege des Meeresspiegels ausgelöst worden seien.

Auch Marie Lin näherte sich im zweiten Vortrag More Genetic Sharing Among Taiwan Populations than Expected: A Plain Tribes (Pinpu) Perspective dem Thema über die genetische Forschung. Mit ihrer Forschungsgruppe hatte sie DNA-Anaylsen mehrerer hundert Menschen aus Taiwan (darunter Mitglieder der Ureinwohnerstämme) und verschiedener Regionen Asiens ausgewertet sowie mit denen von Knochen aus archäologischen Fundstellen verglichen. Für sie deuten die Ergebnisse darauf hin, dass zumindest für die so genannten Plains Aborigines 平埔族 eine Wanderung vom insularen Südostasien nach Taiwan stattgefunden habe. Auch widersprach sie der bisher geltenden Auffassung, dass sich das kontinentalasiatische genetische Erbe der Plains Aborigines ausschließlich erst mit den chinesischen Einwandererströmen der letzten 400 Jahre verbeitet hätte (mit Plains Aborigines sind die Stämme aus den westlichen Ebenen Taiwans gemeint, die sich nach relativ kurzer Zeit weitgehend mit den chinesischen Einwanderern vermischt haben). Vielmehr lassen ihre Knochenfundanalysen darauf schließen, dass dieses Erbe schon mehr als 4000 Jahre zurückreicht.

In A New Hypothesis for Austronesian Origin and Dispersal gab Tsang Cheng-hwa zunächst einen Überblick über bisherige Hypothesen der Verbreitung und stellte dann neue archäologsiche Funde vor, nach denen er es für möglich hält, dass Taiwan und Teile Südostasiens über mehrere Routen (statt einer einzigen wie bisher angenommen) von der südchinesischen Küste aus besiedelt worden sein könnte. Als Beweise führt er starke Ähnlichkeiten zwischen frühneusteinzeitlichen Tongefäßen und Werkzeugen aus Fundorten in Taiwan bzw. Südchina an. Allerdings sei unklar, ob diese Ähnlichkeiten tatsächlich auf Wanderungsbewegungen oder eher kulturelle Kontakte zwischen den einzelnen Orten hindeuten.

Nach kurzer Unterbrechung ging es am Vormittag mit Lawrence A. Reids On the Austronesian Dispersal to the Philippines weiter. Dieses mal wurden - aus linguistischer Sicht - Beweise dargelegt, die auf die so genannte "express-train"-Theorie hindeuten, nach der (Ost-)Taiwan der Ausgangspunkt für austronesische Bewegungsläufe auf die Philippinen und etwas später Indonesien war.

Auch der nächste Referent Paul Jen-kui Lin berichtete in seinem Vortrag Linguistic Evidence for Austronesian Homeland and Dispersal aus linguistischer Sicht. In seiner Untersuchung, die er an die Theorie von Edward Sapir (1916) anlehnte, nach der der Ausgangspunkt der Verbreitung einer Sprachfamilie derjenige Ort mit der größten lingustischen Vielfalt sei, kämen die südwestlichen Ebenen Taiwans als Ausgangspunkt in Frage.

Im letzten Vortrag schließlich mit dem Titel Taiwan as an Austronesian Homeland: New Evidence and an Interpretation from Shell Midden Remains stellte Kuang-Ti Li Rückschlüsse vor, die seiner Ansicht nach anhand von archäologischen Funden im Taiwan Science-Based Industrial Park 台南科學工業園區 gezogen werden könnten. Insbesondere die vielen Meeresschalen unter den Funden deuten für ihn auf eine starke Ozeanausrichtung der damaligen Menschen hin.


Als Fazit kann man sagen, dass deutlich wurde, wie schwerlich die Ergebnisse der einzelnen Disziplinen unter einen Hut zu bringen sind, die Zusammenarbeit aber für ein Gesamtbild trotzdem unerlässlich ist. Denn der Linguist kann vielleicht über Vergleiche in der Entwicklung von Sprachen und Dialekten eine bestimmte Entwicklungs- oder sogar Wanderungsrichtung nachweisen, aber Datierungen, die eine zeitliche Einordnung ermöglichen, liefert eben nur die Archäologie. Auch bei der Terminologie gab es hier und da Verständigungsschwierigkeiten. So wurde in den Diskussionen (und ausführlich im Vortrag von Reid) darauf hingewiesen, dass "austronesisch" ein sprachwissenschaftlicher Begriff ist und ausschließlich Menschen bezeichnet, die als Mitglieder der austronesischen Sprachfamilie zugeordnet werden können. Da sich dies für Menschen aus der Neusteinzeit allerdings nicht nachweisen lässt (wenn will man befragen?) eignet sich der Begriff strenggenommen nicht z.B. für die Archäologie.

So schloss dann auch der Moderator Paul Jen-kuei Li die Sitzung mit dem Hinweis, dass man sich in Zukunft darauf konzentrieren solle die einzelnen Widersprüche aufzulösen und er mahnte an, auf mehr Genauigkeit in der begrifflichen Verwendung zu achten, um stärkere Argumente zu produzieren.

Freitag, 9. Oktober 2009

Beiträge gesucht: EATS-Konferenz 2010 Tübingen

Habe vor kurzem folgende Nachricht der European Association of Taiwan Studies über einen Verteiler erhalten. Scheint ein paar mächtige Foren in Tübingen zu geben. Leite die Infos hiermit mal weiter.

Seventh Annual Conference of the European Association of Taiwan Studies (EATS)

Call For Papers
The European Association of Taiwan Studies (EATS) will hold its seventh annual conference on 8-10 April 2010. The conference is co-organized by Eberhard Karls Universität Tübingen, European Research Center on Contemporary Taiwan (ERCCT), School of Oriental and African Studies (SOAS) and European Association of Taiwan Studies (EATS).
Venue: Tübingen, Germany

The organizers particularly welcome abstracts on the following themes:

1. The Phenomenon of Bentuhua in Taiwanese Society I & II. These two panels focus on different aspects of the cultural and political change in the late 1970s and the 1980s known as bentuhua (indigenization). Preference is given to papers with a multi-disciplinary perspective. We also welcome papers that examine the legacy of the bentuhua movement in contemporary Taiwan following the recent change in political leadership and subsequent cultural policies.
2. Popular Culture in Cinema, Music and Online. Cinema and pop music is heavily influenced by mass media. Taiwan has been a pioneer in the new technologies of information and communication, playing strong societal influences in gaming, cosplay, BBS, and BLOGs. This panel employs a comparative approach to evaluate Taiwan’s recent developments.
3. Economic Integration and the PRC. Taiwan has been severely affected by the global economic crisis. In order to find a solution to this crisis, the new government has been trying to sign an Economic Cooperation Framework Agreement (ECFA) with China. This panel aims to explore the possible effects, benefits, and risks of such an agreement, and also examine alternative ways in which Taiwan is seeking to deal with the situation.
4. Archival Materials Revisited. Archives located in Europe and Asia provide abundant resources on Taiwan. These archives support the uplifting of cultural consciousness in Taiwan’s historical process. This panel considers papers from any disciplinary or theoretical perspective that position the use and contribution of archival materials in the discipline of Taiwan Studies.
5. Language Policies in Historical and Contemporary Perspective. Language policies under the different regimes of Taiwan history have been aimed at different political goals. This panel examines the problem in a comparative perspective and aims to disclose the deeper relationships between contemporary authorities, its agencies and society.
6. Literature. The panel is open for papers that focus on textual and contextual analysis of Taiwanese literary writings, the evaluation of writers and their literary work, as well as new aspects of Taiwanese literature’s historical contexts. The panel is not limited to any particular historical period or topic.
7. Taiwan History with special attention to the Indigenous Past. This panel examines the aboriginal past and explores how it interacts with the specificities of Taiwanese history. We consider papers that focus on the description of indigenous cultures and Austronesian languages, as well as their significance vis-à-vis history, identity questions and the processes of modernity.
8. Internet and ICT. E-governance and e-commerce is widely used in Taiwan, but little attention has been focused on theses issues in the Western language research. This panel will critically question their effectiveness and usability. Comparative perspectives in Asia are encouraged.
9. Placemaking, Multiculturalism and the City. This panel invites new empirical work and contrasting theoretical approaches on how communities create a sense of place. What is the role of the state and commerce in city place-making defined as modern, global and corporate? How do individuals in their daily lives make a sense of place? How do virtual places produce new possibilities for place-making around different forms of identity?
10. Domestic Politics. Two years into the re-election of the KMT, this panel examines changes and continuities in the realms of party- and party power politics, public policy, reform of (local) government, constitutional reality, and inter-ethnic relations.
11. MA Panel. Masters students enrolled in a Taiwan Studies Programme or working on a dissertation focused on Taiwan at a European university are particularly encouraged to apply to present their research in the EATS MA panel.

Panel proposals are not accepted. Please indicate the theme panel you submit your abstract to. The conference will start on Thursday afternoon and finish on Saturday evening.


In addition, we will consider outstanding submissions in the following disciplinary areas:
1.Economics and Business
2.Anthropology and Religion
3.Law, Finance and International Relations
4.History and Geography
5.Cultural and Area Studies
6.Cross-Strait Relations
7.Linguistics
Please submit a A-4 ONE PAGE (500) word abstract by 15 November 2009. Please upload your abstract to the URL http://eats-taiwan.eu/annual-meeting/submit

We will announce the accepted abstracts on 1 December 2009.

Participants who present papers and affiliated with European institutions will be eligible for travel grants. Details will be announced.

Montag, 31. August 2009

Taiwanlinks im August 2009

Taiwan in der deutschsprachigen Presse. [Überarbeitet.]

Politik, Kultur und immer wieder "Taiwan, das Randthema"©
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Den erfreulichsten und meiner Meinung nach lesenswertesten Artikel zu Taiwan im August gab es ausnahmsweise mal in der FAZ. (Wieso eigentlich nicht öfter?) Der China-Korrespondent Mark Siemons traf sich mit einigen Intellektuellen (von denen die meisten der KMT nahestehen) und äußert sich im Text neben vielem anderen auch zur Vertretung taiwanischer Autoren auf der Frankfurter Buchmesse.

Morakot: Für die vielen durch Morakot obdachlos gewordenen Bewohner sind nun u.a. Notunterkünfte und finanzielle Zuwendungen geplant. Annaberg-Buchholz startete einen Spendenaufruf für den taiwanischen Partnerlandkreis (Kaohsiung). Der Papst gedachte ebenfalls der Opfer und gab eine Spende (Der Vatikan ist der letzte diplomatische Verbündete der Republik China in Europa, s.u.). Neben vielen anderen Ländern schickte auch Isreal diesen Monat Katastrophenhilfe nach Taiwan. Nach Querelen im Vorfeld, bedankte sich Taiwans Regierung schließlich für die ausländische Hilfe. Wegen unverantwortlicher anfänglicher Ablehnung derselben, hatte der Vizeaußenminister seinen Rücktritt eingereicht (der Außenminister selbst war zum Zeitpunkt des Taifuns außer Landes). Im September zog auch der Regierungschef Liu Chao-shiuan 劉兆玄 die Konsequenzen und trat ab. Außerdem will die Ma-Regierung wegen Morakot dieses Jahr den Nationalfeiertag ausfallen lassen (China dankt oder das wäre 2011 nicht passiert). Die Landwirtschaft sieht sich mit hohen Verlusten konfrontiert. Letzte Zahlenagaben zu Todesopfern fehlen natürlich auch nicht.

Deaflympics-Vorbereitungen: Einen einführenden Artikel fand sich bei der österreichischen Seite laola1.at sowie taubenschlag.de (laut letzterer gab es hier und hier Live-Übertragungen der gesamten Spiele).

World-Games-Rückblicke: Zu den Spielen vom Vormonat gab es u.a. ein Interview mit dem Tänzer Andreas Heidler über seine Teilnahme und Eindrücke. Auch MV-Schlagzeilen.de blickte mit Drachenboot-Wettkämpferin Anja Fock auf die World Games zurück.


Die Märkische Allgemeine hat sich eine Taiwanausstellung in Oranienburg angesehen. (03.08.) Außerdem geht sie näher auf die im gleichen Zusammenhang gezeigten Jadeschmuckstücke ein. (10.08.)

Keine Ahnung, ob es tatsächlich aus dem August stammt, jedenfalls hatte der Link diesen Monat seinen Weg in mein E-Mail-Postfach gefunden: ein Video der Deutschen Welle stellt die Operationspläne eines deutschen Versicherers in Taiwan (Taipeh) vor. (04.08.)

Artikel im Usinger Anzeiger über Rotary-Austauschüler u.a. nach Taiwan. (05.08.)

Neue Führung der US-Atomstreifkräfte nach "versehentlicher Lieferung" von Atomwaffenkomponenten an Taiwan. (07.08.) (Das kam vor etwa anderthalb Jahren ans Licht.)

Die deutschen Volleyball-Frauen kämpften sich durch die WM-Vorgruppe (ausgetragen im nordtaiwanischen Miaoli 苗栗) (10.08.)

Es ist schon mehr als bezeichnend, das hier ein katholischer Seelsorger, der während der World Games Sportler betreut hat, das ausspricht, was kaum ein Regierungspolitiker oder andere medienwirksame öffentliche Person wagen würde (in Österreich dafür gleich mehrmals abgedruckt, auch die Kleine Zeitung brachte einen ähnlichen Artikel) (13.08.):
Scharfe Kritik übte P. Maier im "Kathpress"-Gespräch an jenen Staaten, die unter dem Druck Chinas ihre Beziehungen mit Taiwan abbrechen würden. Der Olympiakaplan bewertete die Isolierung Taiwans als "Armutszeugnis für die internationale Staatengemeinschaft". Zahlreiche Staaten würden Taiwan aus "rein utilitaristischen Gründen und politischer Feigheit fallen lassen".

In Europa unterhält einzig der Vatikan diplomatische Beziehungen mit Taiwan. "Dem Versprechen Chinas, die Situation der katholischen Kirche in China zu verbessern, wenn der Vatikan seinen Kontakt zu Taiwan abbricht, hat der Kirchenstaat nicht nachgegeben", freute sich P. Maier. Er habe Taiwan als "hochmodernes und unheimlich gastfreundliches Land" kennen gelernt.

Im Burgenland hat man sich vorgenommen, die Weinkultur in Taiwan zu vertiefen. (14.08.) Mehr hier (19.08.).

Nach dem Vereinigen Königreich ist Irland das zweite europäische Land, das Taiwanern visafreien Eintritt bis 90 Tage gestattet. Hoffentlich ziehen die Schengen-Staaten bald nach. (24.08.)

Die taiwanische Tanzgruppe Lan Yang 蘭陽舞蹈團 war zu Besuch in Starnberg. Die Einnahmen gingen als Spende an die Morakot-Betroffnenen. (29.08.)


China-Observer: Taiwan meldete im August den ersten tödlichen Fall der neuen Grippe. Gemeldet wurde auch, dass es kein fünftes Kernkraftwerk für die Insel auf absehbare Zeit geben soll. Der Premier sagte, man finde keinen geeigneten Platz. Die Bewohner Lanyus (Orchideen-Insel) dürften aufgeatmet haben.

Nach neuen den Charterflügen aus dem letzten Jahr gibt es nun neue Linien-Flüge zwischen Taiwan und China. Die Meldung war ziemlich groß und ging über so einige Nachrichtenseiten. Wie immer bei solch einem um sich wuchernden Thema, das im Autopilotmodus beabeitet worden zu sein scheint, so wurden auch hier bekannte überkommene Begriffe wie lästige Fliegen angezogen: so muss man sogar bei Seiten wie zeit.de lesen, dass es sich bei Taiwan um eine "abtrünnige Inselrepublik" handelt. Im Original natürlich ohne die Anführungszeichen. So glaubt man in den etablierten Medien wahrscheinlich seine "Distanz" zur Pekinger Sichtweise wahren zu können, denn laut der ist Taiwan ja nur eine "abtrünnige Provinz"... ach nein Moment, das war ja auch nur ein Begriff, den die westlichen Medien erfunden haben und nun fast ausnahmslos bei jeder sich bietenden Gelegenheit inzestuös weiterverwenden... na dann 無藥可救.




Wirtschaft und Technik:
Chemie.de berichtet (03.08.) über Taiwans geschrumpften Energieverbrauch im Zuge der Wirtschaftskrise.

Channelpartner.de zur Entwicklung der Preise für DRAM-Speicher, noch immer einer der wichtigsten Technologie-Wirtschaftszweige Taiwans. (06.08.)

Bayer findet in Taiwan Energiequelle für sein Erkennungszeichen. (07.08.)

Fruchtportal.de über neue Bio-Richtlinien für Taiwans Landwirtschaft und verbesserte Technik für Taiwans Rotdattelproduktion. (Im letzten Artikel wird die Insel mal kurz mit Thailand verwechselt.) (11.08.)

Steigt TSMC in den Solarstrommarkt ein? (11.08.)

Der Mobilitätsmanager berichtet von Finanzierungsschwierigkeiten bei Taiwans erster Hochgeschwindigkeitsverbindung. (13.08.)

Die Mitteldeutsche Zeitung bespricht ein neues Rollermodell der taiwanischen Firma Kymco. (14.08.)

Dell will nach peinlichem Preisausschilderungsfehler (?) in Taiwan mit Rabatten entschädigen. (19.08.)

BörseGo berichtet von leichten Verbesserungungen hinsichtlich der Export-Auftragslage. (24.08.)

Immopru24.eu bringt eine Pressemitteilung über den "größten Investment-Deal" des Jahres in Taiwans. (25.08.)

Ich glaube, ich muss das mit der FAZ wieder zurücknehmen. In einem hochinteressanten Artikel für die Deutsche Welle beschäftigt sich Klaus Bardenhagen mit dem Verhältnis der KMT zu ihrer eigenen Vergangenheit. (27.08.)


Weitere Links von Interesse:
China politisierte das Internationale Filmfestival von Melbourne wegen eines Films über Rebiya Kadeer und verhindert so auch, dass die HK-Taiwan-Koproduktion Miao Miao 渺渺 (mehr hier und hier) dort gezeigt werden kann. Willkommen in der realen Welt.
PS: Die offizielle Website des Films scheint nicht aktiv zu sein. Der dazugehörige Blog schon.

Sonntag, 16. August 2009

Nachlese: Taifun Morakot

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Ein älteres Bild aus dem vergangene Woche von Taifun Morakot heimgesuchten Landkreis Kaohsiung (Aufnahme 2006).

Nach dem Stimmungshoch während der World Games ist die ganze Situation in Taiwan im Moment mehr als deprimiert. Das Leben hunderter Menschen, teilweise ganzer Ortschaften wurde sprichwörtlich über Nacht ausgelöscht; viele weitere zehntausend waren auf die ein oder andere Art enger von der Naturkatastrophe betroffen; über 1300 Menschen sind womöglich noch von der Außenwelt abgeschnitten; einige Landstriche werden auf Jahre nie wieder so aussehen wie noch vor weniger als zwei Wochen und auch die Landwirtschaft sowie der Tourismussektor haben herbe Verluste hinnehmen müssen. Und, nun ja, alle Zahlen sagen natürlich noch nichts über die vielen Tragödien aus, die dahinter stehen.

Zwar ist in Kaohsiung schon seit ein paar Tagen scheinbar wieder Alltag eingekehrt, aber der Taifun ist und bleibt das beherrschende Thema, auch abseits der (Fernseh)Bilder und Zeitungsüberschriften.

Ohne übertreiben zu wollen, wird man sagen können, dass das Taiwan nach Morakot in vielerlei Hinsicht nicht mehr dasselbe sein wird wie dasjenige zuvor. Es ist so eines dieser Ereignisse, die wie eine Zäsur das gemeinsame Bewusstsein der Leute prägen wird, und insofern vielleicht noch am ehesten vergleichbar mit dem großen Erdbeben von 1999.


Zu den Links aus deutschsprachigen Medien: Focus.de meldet, dass die Zahl der Toten bereits auf über 100 angestiegen ist. Ein Betroffener wird zitiert, der die Langsamkeit der Rettungsaktionen mokiert, die schon seit Anfang der Woche Gesprächsthema sind (ein Link zu einem der Themen, die im Moment für Unruhe sorgen [Ergänzung: einen langen Artikel zu den ausländischen Hilfslieferungen gibt es hier]). Immerhin sind mittlerweile (endlich!) mehrere weitere tausend Rettungskräfte im Einsatz. Der Präsident (und nicht nur er) befürchtet, die Zahl der Todesofper könnte sogar bei über 500 liegen, auch sind immer noch viele in Gefahr. Auf der positiven Seite: über tausend Menschen konnten auch schon in Sicherheit gebracht werden. Jet Li und andere asiatische Großstars beteiligten sich an einer Spendengala, um Gelder für die Opfer zu sammeln.

Sonntag, 9. August 2009

Taifun Morakot zieht über Taiwan

Ergänzung: 12.08.2009:
Heute war hier in Kaohsiung zum ersten Mal seit dem Wochenende die Sonne wieder richtig zu sehen. Unterdessen hat der Taifun die Insel wieder auf die Landkarte deutscher Medien gebracht: Aktuelle Artikel gibt es u.a. bei N-24.de (Video zu den Rettungsarbeiten, u.a. stürzte ein Rettungshubschrauber ab) und der Tagesschau. Die ZEIT hat nun auch eine kurzkommentierte Fotogalerie zu den Auswirkungen des Taifuns online. Zeitgleich zur Taifunkatastrophe gab es größere Erdbeben in Asien.


Ergänzung 10.08.2009:
Die Taipei Times brachte heute ein PDF-Dokument mit ein paar Bildern von den Verwüstungen des Sturms. Zwischenzeitlich haben sich leider auch die Zahlen der Todes- und Vermisstenfälle erhöht. Was auch kein Wunder ist, denn buchstäblich ganze Landstriche hier im Süden stehen unter Wasser (durchklicken).

Was ich heute auf meinem Weg zur Schule fotografieren konnte, mutet dagegen (Gott sei Dank) wie Peanuts an. Darüber sollte man nicht vergessen, dass hier teilweise ganze Siedlungen im Wasser versunken und zahlreiche Brücken und Gebäude zum Einsturz gebracht worden sind.

Im Folgenden ein paar Eindrücke von meinem Fußweg. Zu beobachten war, dass bereits überall Aufräumkräfte fleißige Arbeit geleistet haben.

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Danke an einen treuen Leser: einen deutschsprachigen Artikel mit neueren Infos gibt es beim Standard.


Original-Eintrag:
Dieses Wochenende wütete der erste große Taifun des Jahres, Morakot 莫拉克, in Taiwan. Südtirol Online hatte einen kurzen deutschsprachigen Videobericht. Auf seinem Weg durch die Philippinen führte der Strum bereits zu mehreren Todesfällen; auch in Taiwan sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und über dreißig werden vermisst, wie die China Times meldete. Neben etwaigen Zerstörungen durch die starken Winde, gab es auch reihenweise Überschwemmungen und Stromausfälle.

Besonders im Süden Taiwans richtete Morakot große Schäden an. Gemeldet wurden Rekordregenfälle in der Region. In der Blogosphäre wird im Moment diese Google-Maps-Grafik verbreitet, wo Anwohner bzw. Internetnutzer Informationen über örtliche Überschwemmungen und andere Gefahren sammeln.

Bilder, die heute den ganzen Tag hier in den Nachrichten zu sehen waren: das aufgrund der Wassermassen einstürzende Hotel in Zhiben 知本.


Ich selbst kann mich nicht daran erinnern, hier je etwas vergleichbares gesehen zu haben. Als ich gestern zu einer Bekannten ins Krankenhaus gefahren bin (die aus anderen Gründen dort war), stand die Straße an manchen Rändern unterschenkeltief unter Wasser. Viele der jungen Bäume von den Straßenrandgrünflächen lagen ausgerissen auf dem Beton, ebenso wie vereinzelte Motorroller oder Stühle und Äste; wo früher riesige Werbebanner hingen, klafften Löcher aus Papierfetzen. Und der Wind machte das Rollerfahren so gut wie unmöglich, obwohl der Taifun selbst schon vorbeigezogen war.

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Heute Nachmittag war der Regen schon bedeutend weniger und der Wind wesentlich schwächer. Allerdings wurde weiterer Regenfall für die kommenden Tage vorhergesagt und die ganze Insel ist nach wie vor in Wolken eingehüllt.

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Bei diesem Blick auf den Liebesfluss 愛河 sieht man deutlich den hohen Wasserpegel. Gestern lief das Wasser noch über die Uferpromenaden. In einigen Teilen Kaohsiungs standen die unteren Stockwerke unter Wasser.

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Einige Hinterlassenschaften des starken Regenfalls.

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Die Kraft des Windes muss schon außerordentlich gewesen sein, um diese Klimaanlage hier zu versetzen.

Samstag, 1. August 2009

World Games Abschlussveranstaltung

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Zum Abschluss der World Games wurden fliegende Laternen in die Lüfte entlassen.

Letzten Sonntag war ich im World-Games-Stadion 世運會主場館, um die Abschlussveranstaltung zu sehen. Kurz gesagt, sie war einfach grandios. Die Showeinlagen richteten sich wie schon während der Eröffnung an der Porträtierung Kaohsiungs als einer Stadt mit ozeanischer Kultur aus: so war dies vor allem das Thema der Eröffnungs- und Schlussnummern "Beautiful City - Maritime Kaohsiung", eine Aufführung des Stadtballetts, bzw. des "Maritime Carnival", an dem alle Künstler des Abends mitgewirkt haben. Insgesamt war die Veranstaltung auch um einiges "taiwanischer" als die Eröffnung vor zwei Wochen. Auf internationale Künstler wurde weitgehend verzichtet und zum Ende gab der heimische Rockstar Wu Bai 伍佰 einige seiner bekannteren Songs zum Besten.

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Zu den Songs des taiwanischen Rockers Wu Bai klang die Abschlussveranstaltung aus. Sämtliche der über viertausend freiwilligen Helfer durften dem Spektakel mit den Sportlern von der Stadionmitte aus beiwohnen.

Sicherlich spielte der Hafen Kaohsiungs, immer noch einer der größeren der Welt, und die geografische Lage der Stadt eine große Rolle bei dem Arrangement der Stücke. Will man den Abend politisch bewerten, was man natürlich nicht muss, dann lässt sich sagen, dass sich spätestens mit diesem Ende der World Games Kaohsiung als Vorreiterin einer blauen, ozeanischen und weltoffenen Kultur 海洋文化 präsentiert hat. Diese wird seit längerem vor allem aus dem Unabhängigkeitslager als Alternative zu einer Kultur des Schlammlands, mit der das traditionelle China assoziiert wird gegenübergestellt.

Diese Deutung schließt an die Kulturkritik an, die seit Ende der 80er Jahre in der Volksrepublik China laut wurde, als dort für eine kurze Zeit eine Art kulturelle Aufbruchsstimmung herrschte. Als Anspielung auf die Lößebenen Nordchinas, die traditionell als die Wiege der chinesischen Zivilisation angesehen werden, wird sie auch die "gelbe Kultur" genannt. Deren Charakteristika seien Abschottung/Einmauerung, Selbstzufriedenheit, Bürokratie oder auch Fortschrittsresistenz.

Erstmalig kam diese Kritik in der chinesischen Fernsehdokumentation Heshang 河殤 auf, wo man so unter anderem Chinas wirtschaftliche Rückständigkeit erklären versuchen wollte (wie schnell sich die Zeiten ändern). Später wurde die Terminologie auch in Taiwan aufgegriffen und vor allem hinsichtlich der "blauen Kultur" weiterentwickelt.

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Grundthema des Abends: Kaohsiung als Repräsentantin eines blauen, weltoffenen Taiwan.

Wie auch immer, mit am besten gefallen haben mir aber noch die (Zufalls?)Einspieler des Publikums während der Aufwärmung, die vielleicht noch direkter als die späteren Aufführungen Kaohsiung ein persönliches und rundherum sympathisches Gesicht verliehen haben, und zwar sowohl durch die auf den Großbildschirmen abgelichteten Menschen als auch die Reaktionen des knapp 40.000 Personen umfassenden Publikums auf diese: da gab es das niedliche Kind, das voller Staunen mit den am Eingang verteilten "Sternenmeer"-Batterien (siehe unten) gespielt hat; ein junges Paar, das sich gerade küsste, als es sich auf dem Schirm erblickte, peinlich berührt ansah, nur um sich direkt darauf frei nach dem Motto "jetzt erst Recht" noch einmal um den Hals zu fallen - natürlich unter frenetischem Applaus der Zuschauer; da waren auch junge und ältere Frauen, die voller Freude und Stolz die Landesflagge schwenkten oder dieser eine Moment, als sich eine junge Patriotin beschämt wegdrehte als sie ihr Konterfei erblickte, ein danebensitzender junger Mann jedoch sofort einsprang, indem er der Kamera seine T-Shirt-Rückseite zuwandte, auf der die Zeichen für Taiwan standen - und dafür ebenfalls riesigen Beifall erntete. Ganz klar, hier hat sich vor allem auch ein Volk selbst gefeiert - und meiner Meinung nach völlig verdient.


Das Publikum bringt sich in Stimmung.

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Diese Danksagung des deutschen Teams beim Einmarsch kam besonders gut beim Publikum an.

Denn neben dem weitestgehend reibungslosen Ablauf, an dem im Vorfeld nicht zuletzt auch im argwöhnischen Taipeh viel gezweifelt wurde, wurden die Spiele auch finanziell ein Erfolg, den so kaum einer erwartet hatte. Ich denke, es war nicht nur Schmeichelei, als der Präsident der IWGA Ron Froehlich vor der Übergabe der Spiele an den Vertreter der nächsten Austragungsstadt Cali (Kolumbien) verkündete, dass dies die "besten Spiele von allen" gewesen seien. Mit zu dem Erfolg beigetragen haben nicht zuletzt auch Taiwans Sportler, die einen mehr als respektablen siebten Platz in der Gesamtwertung erreicht haben und allein am letzten Wettkampftag noch einmal drei Goldmedaillen abräumen konnten.



Das Publikum wurde in den Ablauf der Veranstaltung miteingebunden. An den Eingängen gab es diese kleinen hellen Lichter, die über einen einfachen Schalter bedient werden konnten und diesen schön anzusehenden "Sternenmeer"-Effekt erzeugten.



Noch eine letzte Runde "World-Games-Links":
Faustballer Fabian Sagstetter schaut im Interview mit der Mainpost noch einmal zurück auf das Erlebte. Auch Rettungsschimmerin Fabienne Göller äußerte sich gegenüber nw-news.de beeindruckt von der Teilnahme an den Spielen; die DLRG-Damen gewannen die Staffelwertung. Auf der gleichen Seite gab es auch einen Rückblick auf das Fallschirmspringen mit Tom Brand. Die Kreiszeitung meldet den dritten Platz für Sebastian Rohrberg im Feldbogenwettkampf. Der Billiardprofi Ralf Souquet erreichte Gold, genauso wie Sabrina Hatzky im Ju-Jutsu. Auch der Sauerlandkurier wirft einen kurzen Blick zurück auf die deutschen Ju-Jutsu-Erfolge. SchwäbischePost.de schreibt über das Abschneiden der deutschen Sportakrobatinnen. Die deutschen Tauzieher verpassten leider das erhoffte Halbfinale. Bei op-online.de ist die ehemalige Kunstradfahrerin Marklein im Gespräch, das sich noch einmal mit der Frage beschäftigt, warum sich kaum jemand für die Spiele zu interessieren scheint (die Tatsache, dass die meisten von mir in den letzten beiden Wochen genannten Links auf die Regionalpresse verweisen, spricht Bände).


Ältere Beiträge:
Die gesammelten Links zur deutschsprachigen World-Games-Berichterstattung gibt es hier. Mein Ausflug zum neuen World-Games-Stadion von Anfang Juni hier.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal auf den Blog von Claudia Jean, die die Spiele insgesamt mit informativen Artikeln begleitet hat.

Freitag, 31. Juli 2009

Taiwanlinks im Juli 2009

Taiwan in der deutschsprachigen Presse.

Politik, Kultur und immer wieder "Taiwan, das Randthema"©
:

Die NZZ geht in ihrem Artikel "Beitrag zum Selbstschutz" (06.07.) auf Zensurmaßnahmen in China ein, und streift dabei auch Taiwan sowie den Umgang mit Ang Lees Film "Lust, Caution" (mehr zu dem Film hatte ich damals u.a. hier und hier gesammelt.) Derweil beteiligt sich der taiwanische Computerhersteller Acer an dem neuen Filterprogramm in China...

Welt Online (07.07.) hatte ein Interview mit dem Mitverantstalter der Frankfurter Buchmesse Gottfried Honnefelder, in dem dieser eine Einladung Chinas als diesjähriges Gastland rechtfertigte:
Die Einladung der Chinesen zur Buchmesse ist schon zwei oder drei Jahre alt. Man kann also nicht behaupten, dass wir China nach den Nachrichten von der Verhaftung Liu Xiaobo eingeladen hätten. Wenn man seit über 60 Jahren eine solche Plattform der freien Rede wie die Frankfurter Buchmesse anbietet, dann muss man auch so stark sein, ein Land wie China einzuladen. In Frankfurt können gegenüber den chinesischen Funktionären all die Worte ausgesprochen werden, wie Falun Gong, Taiwan, Tibet, die man in China nicht aussprechen kann. Und das Problem liegt dann ganz bei der chinesischen Delegation, denn sie werden nach diesen Themen - und auch nach regimekritischen Autoren - befragt werden und sie müssen antworten. Der Vorsteher des Börsenvereins eröffnet ja traditionell die Buchmesse, sie können versichert sein, dass ich in dieser Funktion in Anwesenheit unserer chinesischen Gäste zu diesen Themen nicht nur einen Satz verlieren werde.
Im Prinzip stimme ich dem Mann voll und ganz zu. Ich frage mich nur, ob man mit dem Wort "Taiwan" im Moment noch bei chinesischen Delegationen für Schweißausbrüche (oder auch solche anderer Art) sorgen kann... vielleicht ließe sich aufgrund der Verhinderung des taiwanischen Ex-Präsidenten ja zu der Gelegenheit noch mal der Dalai Lama einladen?

Die SZ (08.07.) mit einem Artikel über eine besonders listige Spinnenart auf Taiwans Orchid Island.

Die Nordsee-Zeitung (09.07.) hatte einen Artikel über eine Leipziger Austauschstudentin hier in Kaohsiung.

CRTI (14.07.) über eine auf dem letzten KMT-KPCh-Forum angesprochene "Vereinigung" der anderen Art... (hier hervorragend kommentiert [Eintrag vom 12. Juli].)

AFP (14.07.) über das Erdbeben der Stärke 6,3. Laut Artikel hätten in "ganz Taiwan die Häuser gewackelt". Hier in Kaohsiung habe ich nichts von dem Beben mitbekommen und erst aus der E-Mail vom Deutschen Institut davon erfahren. Die dort genannten hilfreichen Links gebe ich hier mal weiter. Bemerkt habe ich allerdings wie bei diesem schwächeren Beben hier und dem von letzten Donnerstag Morgen das Haus gewackelt hat (war gerade im 20. Stock). Ruft keine schönen Erinnerungen an Weihnachten 2006 wach.

Seit diesem Monat darf man alle Zürcher um einen neuen Teeladen beneiden. (18.07.)

Da ein Krieg dank Ma Ying-jeous Entspannungspolitik immer unwahrscheinlicher geworden ist, vertreiben sich die Soldaten nun auf andere Art ihre Freizeit (?). (19.07.)

Märkische Allgemeine (21.07.): Ein Stück der ehemaligen innerdeutschen Mauer kommt ins 228-Museum in Taipeh.

Spiegel Online (22.07.) schreibt über die 25 verbliebenden Kandidaten der "neuen sieben Weltwunder", unter denen auch der Yushan, der höchste Berg Taiwans vertreten ist. Im Artikel wurde der Standort des Bergs Taipeh zugeordnet... wahrscheinlich Chinese Taipei oder was... auch schade: da gibt es schon eine Fotostrecke und nur der so fotogene Yushan fehlt. Es kann einem fast leid tun.

DerWesten (23.07) über ein Rotary-Austauschprogramm. (Ich komme mir so alt vor.)

Und hier noch ein Artikel über Missionsschwester Lilly Singer, die sich seit über 50 Jahren für Taiwans Kinder engagiert.

Das ist zwar selbst für die Randthema-Rubrik schon arg randmäßig, aber trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, dass man in der FAZ (24.07.) mal gezeigt hat, auch in die andere Richtung verwirrt sein zu können und von einer "Republik Taiwan" zu schreiben (in einem Artikel, der sich mit Honduras beschäftigt - einem der wenigen diplomatischen Verbündeten der Insel).

20min.ch mit der Meldung (30.07.), dass Taiwans Regierung internationale Ehevermittlung verboten hat.



China-Observer: Präsident Ma gegen eine Öffnung des Flugraums in der Mitte der Taiwanstraße. Denn auch die bisher anderthalb Millionen Fluggäste befördert habenden "Direktflüge" müssen bisher noch einen Umweg machen; zu den blutigen Protesten in Xinjiang meldete sich die Opposition, nicht aber die Regierung selbst zu Wort. Nicht so leckerer Fund im McDonald'schen Bratfett zweier Taipeher Filialien. Arbeitslosen-Quote steigt weiter.


Die Deutsch-Redaktion von Radio Taiwan International unterhält seit neuestem einen eigenen Blog.



Wirtschaft und Technik:
BörseGo (01.07.): Taiwan öffnet sich für chinesische Investitionen.

Das Handelsblatt (07.07.) bringt einen Artikel zum (noch) hohen Stand der Laptop-Produktion in Taiwan. In diesem Bereich hat die Insel in den vergangenen beiden Jahrzehnten einige Weltmarken etabliert. Eine ausländische Marke hat sich diesen Monat dafür in Taiwan mehr als blamiert - (blamiert hat sich hier auch T-Online, das hier im gleichen Artikel Taiwan mit Thailand verwechselt...) Oder war die Dell-Pleite doch eher ein raffinierter Marketing-Gag?
Jedenfalls ein teuerer, denn der Computerriese wurde von der Stadt Taipeh bestraft.

Außerdem gibt es noch einen sympathischen Artikel über die "Kreativschmiede" Taiwans in Hsinchu.

Aktiencheck.de (09.07.) über eine im Bezug auf den Einstieg in den taiwanischen Telefonmarkt weiterhin optimistische "China Mobile".

Die taiwanische Regierung veröffentlicht wenig rosige Aussichten auf die kommende wirtschaftliche Entwicklung. (09.07.)

Fruchtportal.de über Taiwans neuen Exportschlager. (14.07.) Konnte man auf dem Visabeantragungsformular nicht als Aufenthaltsgrund "Früchte" ankreuzen?

Foonds.com meint, Taiwan profitiert von verbesserten Beziehungen zu China. (15.07.)

Finanznachrichten.de (23.07.): Neuer Windpark westlich von Taipeh wird mit deutscher Hilfe gebaut.

Der TAIEX erklimmt die 7000er Marke. (In Wahlkampfzeiten war mal von 10000-20000 Punkten die Rede...)


Nachtrag 02.08.2009:
Bei Reuters glaubt man anscheinend immer noch an den "Free China"-Mythos aus dem Kalten Krieg. In einem Artikel über die Beziehungen zwischen den USA und China steht, dass ein Streitpunkt zwischen beiden u.a. Waffenlieferungen an das "seit 1949 demokratisch regierte Taiwan" sei. Man wird ja noch träumen dürfen. (27.07.) C. Brinkmann trifft eine asiatische Rennfahrer-Ikone, den Tourenwagen-Rennfahrer Chen Junsan. (29.07.) Hanau hofft auf die Ansiedlung taiwanischer Unternehmen. (31.07.) Die Epoch Times schreibt über neue Ergebnisse zu Chinas "Entwicklungshilfe" für pazifische Staaten. (31.07.)

Dienstag, 21. Juli 2009

Chiang-Kai-shek-Tempel erhält seinen alten Namen

Unter Minimal-Protesten der Bevölkerung wurde gestern wieder eine Plakette mit dem alten Namen der "Chiang Kai-shek Gedächtnishalle" an dem Gebäude angebracht. Der Vize-Bildungsminister Lu Mulin 呂木琳 sagte dazu:
“We understand that people have different memories of and emotional reactions to [Chiang], but we also hope that everyone will respect and tolerate different opinions and promote social harmony,”
Und in einer Pressemitteilung des Bildungsministeriums hieß es:
“But replacing the Chiang plaque with National Taiwan Democracy Memorial Hall in an illegal and undemocratic fashion [by the former DPP government] was not a manifestation of Taiwan’s democracy. Instead, it was ironic.”
Möglich, dass dieses Vorgehen der DPP damals in irgendeiner Weise ironisch war. Dann kann man aber Tatsachen, wie z.B. die, dass die KMT vor allem immer dann demokratische Grundprinzipien bemüht, wenn es um die Verdrängung ihrer eigenen Vergangenheit geht oder auch die, dass hier ganz offen zu Respekt und Toleranz gegenüber anderen Meinugen über einen Diktator aufgerufen wird, der - gelinde gesagt - selbst ein Unterdrücker ebensolcher anderen Ansichten war, nur als zynisch bezeichnen. ("CKS memorial restored amid low-level protests", Taipei Times, 21.07.)

Man beachte auch, wie der Minister hier von "verschiedenen Erinnerungen und emotionalen [lies: irrationalen] Reaktionen" gegenüber Chiang spricht, so als gäbe es keine historischen Fakten...

Links zu Bilder und Videos der Aktion gibt es bei "The View from Taiwan".


Danke an den/die Kommentator/in: Bei China-Observer gibt es einen längeren Artikel zum Thema.

Dienstag, 14. Juli 2009

World Games 2009 in Kaohsiung Linksammlung [Ergänzung]

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Eine der Austragungstätten für die Wettkämpfe der World Games in Kaohsiung: der Lotussee 蓮池潭.

Ergänzung 25.07.2009:
Die Rettungsschimmer haben für weitere deutsche Medaillen gesorgt. Morgen findet schon die Abschlussveranstaltung der World Games 2009 in Kaohsiung statt. Der Tagesspiegel schaut schon mal auf den Austraggungsort in vier Jahren.


Ergänzung 23.07.2009:
Das Handelsblatt über den "goldenen Dienstag" sowie (zuvor) über das Silber der deutschen Mannschaft im Tauziehen. Doch kommt nach wie vor keiner an den überaus erfolgreichen Russen in der Gesamtwertung vorbei. Die Schweizer Thurgauer Zeitung noch einmal mit einem Artikel zu den "Spielen von einer anderen Welt". Auch das deutsche Damen-Kanupolo-Team holt Silber und die Rollkunstläufer sichern sich zwei Mal Bronze. Die ZDF-Mediathek hat ein (widerliches) Popup-Fenster mit ein paar (sehr schönen) Bildern zu den World Games. Die SZ möchte wie immer ein paar mehr Klicks generieren.

Zum Schluss noch der Hinweis auf weitere Blogs der Squash-Spieler.


Ergänzung 20.07.2009:
Der fleißige Tagesspiegel mit einem Artikel über den bisherigen Verlauf der Drachenbootrennen. Die FreiePresse hat ein Interview mit DOSB-Generalsekretär Michael Vesper... der davon spricht, dass sich die Beziehungen der "beiden Länder" (China/Taiwan) normalisieren, auch wenn er Pekings Boykott der Eröffnung als Zeichen wertet, dass man "der taiwanesischen Regierung keine Legitimation geben will". Aber so behandelt man anscheinend eben den "kleinen Bruder" (Bezeichnung aus dem Interview). Derweil gewinnt Deutschland im Paintball, das daheim noch Gegenstand einer sinnlosen, populistischen Diskussion ist (mehr hier).

Neues aus dem Web 2.0: Brennpunkt Taipeh mit Gedanken zu den Spielen und ihrer Bedeutung für Taiwan. Eine Meldung, dass Ju-Jutsu-Wettkämpfer Mario Staller von den Spielen "twittert". Auch Squash-Spieler Simon Rösner ist unter die Blogger gegangen.


Ergänzung 19.07.2009:
(Jetzt erst gefunden: einen einführenden Artikel zum Start der World Games bei Deutschlandradio.)

RP-Online noch einmal zur Eröffnungsfeier und Vergleich zur 2005er Ausgabe der WG in Duisburg. Auch DerWesten bringt noch einmal einen Rückblick auf die Spiele von vor vier Jahren. Friedhard Teuffel kommentiert im Tagesspiegel Chinas Boykott der Eröffnungsveranstaltung.

Neues zum deutschen Drachenboot-Team (das knapp eine Spitzenposition verpasst) und der Paintball-Mannschaft. Letztere Sportart nimmt die FAZ zum Anlass sich in ihrer ganzen konservativen Glorie zu präsentieren. Der Tagesspiegel widmete sich etwas ausführlicher dem Sumo-Ringen. Der Thurgauer Hubmann holt über Mitteldistanz Gold im Orientierungslauf.


Ergänzung 17.07.2009:
Der Tagesspiegel berichtet wie auch die SZ vom Boykott der Eröffnungsfeier durch China. Aber keine Sorge, auch das sind nur Chinas üblicher "guter Wille" und "Pragmatismus" (eigentlich ironisch gemeint, aber in der KMT gibt es tatsächlich Leute, die dieser Meinung sind [unten]). Derweil durfte man nach einem grandiosen Auftakt-Spektakel in einem ironisch-denkwürdigen Moment mit ansehen, wie die Fahne der Volksrepublik China von Buhrufen und Beifall begleitet in die Halle getragen wurde, ohne dass ihr ein Team folgte, während zum Schluss das Gastgeberland unter einem geografisch nicht weiter auffindbaren Fantasienamen einmarschieren musste...

Das Handelsblatt über die Eröffnung der Spiele. Mainpost.de mit einem Artikel über Faustballspieler Fabian Sagstetter. Derselbe schreibt über seine Taiwan- und Wettkampf-Eindrücke in einem Tagebuch. Der Westen schreibt über die Titelambitionen von Andreas Kuhl. Wochenspiegel-Paderborn über den Squash-Spieler Simon Rösner. Die Thurgauer Zeitung verwechselt den Austragungsort Kaohsiung mit Taipeh... kann man ihr nicht mal gänzlich verübeln, wenn man sich vor Augen hält, dass Team Taiwan hier als "Chinese Taipei" teilnimmt... der Deutsche Kanu-Verband mit einem Artikel zur Eröffnung und den letzten Team-Vorbereitungen. N24.de über Paintball.

Die Taipei Times hat einen Artikel über Sportarten, in denen sich die Taiwaner der Meinung der TT-Autoren nach am ehesten Chancen auf eine Medaille ausrechnen können.


Ergänzung 15.07.2009:
Die SZ mit einem wunderbaren Artikel über die Kaohsiung-Vorbereitungen verschiedener Athleten.


Ursprünglicher Eintrag:
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Wetterfest und vorbereitet: Die Kaohsiung Arena 巨蛋.

Übermorgen ist es soweit: die Eröffnung der World Games 2009 in Kaohsiung, also des größten nicht-olympischen Sportereignisses der Welt. In den letzten Wochen haben mir gegenüber viele Menschen hier in Kaohsiung immer wieder betont, wie sehr sie sich darüber freuen, dass ihre Stadt bald einem größeren internationalen Publikum präsentiert wird. Zwar hat die Stadt optisch noch einige Ecken und Kanten, aber gerade das macht sie in meinen Augen so sympathisch. Und wer länger hier gelebt hat, wird mir, denke ich, auch zustimmen, dass die herzlichen Leute hier sich die Spiele auch mehr als verdient haben.

Da kann man auch über etwaige im Vorfeld stattgefunden habende politische Querelen hinwegsehen. Wenn auch nach wie vor wirklich schade bleibt, dass sich das prinzipielle Interesse und die Freude der von der Teilnahme an internationalen Events (gerade in dieser Größenordnung) nicht gerade verwöhnt werdenden Taiwaner bisher kaum im Ticketverkauf niedergeschlagen haben.


Im Folgenden liste ich ein paar Links, die ich bisher zum Thema aufspüren konnte. (Die Liste wird dann in den kommenden beiden Wochen erweitert.)


World Games 2009 Links:
Das Deutsche Institut Taipei hat eine ganze Reihe nützlicher Links und Dokumente für Besucher und Sportler auf seinen Internetseiten.

Die Taipei Times brachte eine zweiteilige Reihe "World Games A to Z". Außerdem stellte die Zeitung ein paar der ausgefalleneren Sportarten der Spiele vor. Und mehr hier.

Die China Post berichtete, welche wichtige Rolle zwei deutsch-taiwanische Kinder bei der Eröffnungszeremonie spielen werden.


In den deutschsprachigen Medien standen bisher jeweils einzelene Disziplinen und Athleten im Vordergrund (letztere haben scheinbar nicht gerade die entgegenkommendsten Anreisebedingungen):

So u.a. über die deutschen Tauzieher oder diese junge Kanupolo-Spielerin; mehr gab es auch zur Rettungsschwimmermannschaft (siehe auch hier); sogar eine deutsche Drachenbootmannschaft wurde aufgestellt (auch wenn es für diese Disziplin wohl keine Medaillen geben wird, siehe ersten TT-Link oben); MV-Schlagzeilen.de hat ein Interview mit der Sumo-Ringerin Steffi Müller, die ebenso für Deutschland antreten wird wie der Ju-Jutsu-Kämpfer Andreas Kuhl.


Sicherlich wird es auch eine ganze Reihe an Blogs mit Erfahrungsberichten in Taiwan geben. Bisher ist mir allerdings nur dieses hier untergekommen.