Mittwoch, 31. Oktober 2012

Taiwanlinks #47 Oktober 2012

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Einen wahrhaftig sonnig-goldenen Oktober hatten wir hier in Taiwan.
Die Basler Zeitung berichtete über das "schwere Vergehen" des taiwanischen Regierungssprechers Hu Yu-wei, sich mit einem iPhone abgelichtet zu haben (wenigstens ein weiterer Regierungsbeamter machte auch nicht gerade viel subtiler, wenn auch ungewollt, Werbung für den US-Konzern). Erinnert in seiner Absurdität ein wenig an die "Schumacher sollte einen Mercedes fahren"-Stammtischparolen aus vergangenen Jahrzehnten. (Und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja nun.)

Bei Spiegel Online gibt es einen Erfahrungsbericht eines Deutschen zu lesen, der Zeit als Austauschschüler an einer Senior High School in der "Provinz Yilan" (wohl ein Freudscher Verschreiber) verbringt. Natürlich sind die Erfahrungen, die jeder so macht, sicherlich unvergleichlich und einzigartig. Trotzdem, der letzte Satz im Artikel traf mich unvorbereitet.

Der Stern portraitierte knapp den inspirierenden Werdegang des Wahltaiwaners Stephan Thome, der vor kurzem seinen zweiten Roman veröffentlicht hat.

Beim Blog von RTI sind ein paar Impressionen des diesjährigen Empfangs zum ROC-Nationalfeiertag in Berlin zu sehen. DerWesten kommentierte ein paar Bilder von der Veranstaltung in Taiwan.

Der österreichische Kurier versuchte sich auch mal an einem Taiwan-China-Artikel.

"Die Beziehungen zu Taiwan sind einmal mehr sehr fruchtbar für die Dominikanische Republik," meldete das Domrep Magazin. Das Blatt bedankte sich beim Präsidenten Ma Ying-jeou für den Einsatz seiner Regierung damit, indem es ihn an anderer Stelle zum Staatschef der Volksrepublik China (ver)erklärte. Daran dass Republik und Volksrepublik China auch von höheren Stellen immer wieder durcheinander geworfen werden, erinnerte der Asienspiegel in diesem Artikel. Und nicht zuletzt lernten wir diesen Monat wieder einmal aufs Neue, dass selbst taiwanische Ex-Militärs da schon mal was zu verwechseln scheinen.

Einen Video-Beitrag über die "Neu gewonnene Idylle auf den Matsu-Inseln" kann man bei Welt Online anschauen.

Die Deutsche Welle informierte über eine Ausstellung mit Werken von Günter Grass in Tainan sowie über den Umgang mit der gleichgeschlechtlichen Ehe hier in Taiwan.

Schließlich berichtete Patrick Zoll vom Wangye-Festival aus Donggang in Pingtung.

Sonntag, 30. September 2012

Taiwanlinks #46 September 2012

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Sonnenaufgang über Jingmei, Taipeh.

Vikoria Dümer berichtete für Welt Online von einem Volkssport der Taiwaner: dem geduldigen Anstehen.

Die Financial Times Deutschland brachte einen (zumindest in der Online-Ausgabe) merkwürdig übertitelten Artikel über die taiwanische Vorliebe für "deutsches" China-Öl.

Der Asienspiegel beschäftigte sich mit dem gegen die geplante Expansion des Medienkonzerns Want Want China Times gerichteten Protestmarsch in Taipeh.

Auf der Architekturbiennale 2012 in Venedig gibt es die Interpretation von Taiwans Geografie und Geschichte aus architektonischer Sicht zu bestaunen.

In einem Reiseartikel für RP Online wurde Taiwan für deutschsprachige Urlauber und Gourmets als Reiseziel schmackhaft gemacht. Artikel wie diesen gab und gibt es immer wieder. Es ist bei diesem jedoch schon fast bemerkenswert wie es der Autorin (fast) gelingt, gängige und oft falsche Schilderungen zu Taiwans internationalen Status zu umschiffen, eine Kür bei der sich die meisten Artikelschreiber fatalerweise auf den Autopiloten verlassen:
Die Taiwaner sind stolz auf ihre Ureinwohner und ihre Unabhängigkeit. Der völkerrechtliche Status Taiwans ist hingegen ungeklärt. Der große Nachbar China erhebt bis heute Ansprüche auf die Insel im West-Pazifik. Taiwan wurde 1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach der Niederlage der Japaner von der Republik China besetzt, aber nicht offiziell übergeben. Nur 23 Staaten erkennen Taiwan als unabhängige Republik an.
Nur der letzte Satz ist beinhaltet einen bekannten Schönheitsfehler. Natürlich erkennen jene Staaten nicht "Taiwan" als unabhängigen Staat an. Vielmehr erkennen sie den Anspruch der Zentralregierung in Taipeh an, China, inklusive der Gebiete der VRCh sowie der Mongolischen VR, unter dem Namen "Republik China" zu repräsentieren.

Die Artikelflut zum Senkaku/Diaoyutai-Fiasko wird in einem separaten Beitrag behandelt.

Sonntag, 23. September 2012

Quellen zur Geschichte Taiwans #1: Ming-Chinas Taiwanbild

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Sonnenaufgang über der Taiwan-Straße vor der Insel Makung (馬公). Im Gegensatz zu Taiwan wurde die Zugehörigkeit der Penghu-Inseln (澎湖) zum chinesischen Kaiserreich auch in früherer Zeit nicht grundsätzlich in Frage gestellt.
"Taiwan ist ein Teil des heiligen Territoriums der Volksrepublik China." So steht es seit 1984 in der Präambel der Verfassung der VRCh geschrieben. Dessen ungeachtet hat die Regierung der Volksrepublik seit der Staatsgründung am 1. Oktober 1949 bis heute natürlich keinen einzigen Tag lang tatsächlich Kontrolle über die Insel Taiwan ausgeübt. Da sich die Führer der Kommunistischen Partei Chinas jedoch als einzige rechtmäßige Nachfolger der chinesischen Kaisereiche (221 v. Chr. bis 1911) bzw. der Republik China (1911-1949 auf dem Festland) verstehen, greift man von offizieller Seite auch gerne mal in den geschichtlichen Setzkasten und erweitert die historische Dimension der taiwanischen Zugehörigkeit zu China mit Sätzen wie "Taiwan ist seit Urzeiten ein Bestandteil des chinesischen Territoriums." (Bestimmte alteingesessene Kader in der Kuomintang äußern sich möglicherweise etwas weniger lautstark, dürften solchen Kommentaren aber wenigstens durch ein energisches Kopfnicken grundsätzlich beipflichten.)

Dementsprechend umfangreich, so sollte man meinen, fielen dann auch die Beschreibungen in alten chinesischsprachigen Quellen aus. Immerhin haben die Chinesischen Gelehrten über tausende von Jahren eine der ältesten Schrifttraditionen der Welt aufrechterhalten und weiterentwickelt. Unter den über viele Dynastien hinweg geschaffenen Aufzeichnungen und Beschreibungen sollte also auch das ein oder andere zu einer mittelgroßen und relativ nahe am Kontinent gelegenen Insel wie Taiwan abgefallen sein. Bis vor ein paar Jahrzehnten versuchten sich sowohl in Taiwan als auch in China Akademiker daran, eine möglichst weit zurückreichende historische Zugehörigkeit Taiwans zu "China" nachzuweisen, was meist in obskuren Quellen"belegen" aus der Zeit der Drei Reiche (etwa 208-280 n. Chr.) gipfelte. Spätestens seit den 80er Jahren verlor dann zumindest in Taiwan der politisch-ideologische Imperativ in der Geschichtswissenschaft an Bedeutung, so dass sich eine zunehmend wissenschaftlichere Methodik in der Bearbeitung von Quellen durchsetzen konnte.

Bis weit in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts hinein wurde "Taiwan" in China noch als ein loser Bund aus mehreren kleineren Inseln wie Penghu (Mitte unterer Bildrand) gedacht. Die Art der Darstellung sagt viel über den Wissenstand und das Interesse des Ming-Kaiserhofs an Taiwan aus. (Quelle: http://www.tonyhuang39.com/tony0299.html)
Tatsächlich sind konkrete Äußerungen zu Taiwan in altchinesischen Quellen mehr als spärlich. Der heutige Stand der seriösen Geschichtsforschung ist, dass es bis zum Ende der Ming-Dynastie (1368-1644) keine Aufschreibungen gibt, die sich eindeutig an Taiwan festmachen lassen. Das heißt natürlich nicht, dass kein Chinese zuvor jemals den Weg vom Festland auf "das andere Ufer" gefunden hat.

Doch damals wie heute war allein schon die Namensgebung der Insel mit gewissen Problemen verbunden. "Taiwan" wurde sie jedenfalls nicht genannt. In den Quellen kursieren andere Bezeichnungen, die oftmals durcheinandergebracht und mehrfach gebraucht auch heute teilweise noch in Ortsnamen auf und um Taiwan Verwendung finden, wie Hsiao Liou Ciou, Keelung, Tamsui, Dayuan usw. In viel Kleinarbeit haben Historiker bestimmte Bedeutungsverschiebungen rekonstruieren können. "Hsiao Liou Ciou," oder "Klein-Liou-Ciou", heute der Name einer kleinen Koralleninsel vor der Südwestküste Pingtungs, wurde einmal stellvertretend für "Taiwan" verwendet, das man so von "Groß-Liou-Ciou", dem heutigen Okinawa, unterscheiden wollte, obwohl letztere flächenmäßig in Wahrheit nur einen Bruchteil von der Größe Taiwans besitzt. Die Bezeichnung "Liou Ciou" bzw. Ryukyu wurde wie auch heute noch als eine Bezeichnung der Inselkette zwischen Japan und Taiwan gebraucht. Lange Zeit existierte hier ein mehr oder weniger autonomes Königreich, welches im Laufe der Jahrhunderte mal China, mal Japan, meistens beiden gleichzeitig Tribut zollte, bevor es Ende des 19. Jh. von Japan annektiert wurde.

Nicht viel anders sahen es auch die Europäer wie aus der vom Jesuiten-Missionar Matteo Ricci 1602 im Auftrag des Kaisers fertiggestellten Weltkarte ersichtlich wird. Die Abbildung zeigt eine Variante der Unterscheidung zwischen Groß- und Klein-Liou-Ciou (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Kunyu_Wanguo_Quantu_by_Matteo_Ricci_Plate_1-3.jpg)
Selbst dem Ming-Kaiserhof also, der in einem kurzen aber mächtigen Auswärtsdrang zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch die weltgrößten Segelschiffe bauen und damit unter Admiral Zheng He Expeditionen bis an die afrikanische Ostküste unternehmen ließ, bevor er sich in einer Radikalwendung vom Meer abwandte, war bis kurz vor seinem Niedergang zweihundert Jahre später noch nicht einmal bekannt, dass es sich bei Taiwan überhaupt um eine einzige zusammenhängende Insel handelte.

Je mehr sich der Ming-Hof in den letzten Jahrzehnten der Dynastie nach außen abschottete und etwa immer wieder weitreichende Verbote des Überseehandels verfügte, nahm das Piratenwesen an den Küsten zu. Das wenig beachtete Taiwan wurde so zu einem logischen Anzugspunkt für Piraten und Schmuggler aus China, Japan und Südostasien, die immer wieder Raubzüge in Richtung Festland unternahmen, dabei die Fischerdörfer plünderten und die dort lebende Bevölkerung drangsalierten. Ende des Jahres 1602 entsandte die Ming-Regierung schließlich den General Shen Yourong (沈有容), um die Piraten in ihren Nestern auszuräuchern.

Es sind just die vom Gelehrten Chen Di (陳第) festgehaltenen Aufzeichnungen zu dieser am Anfang des Folgejahres unternommen "Strafexpedition", die heute als eine der ältesten "gesicherten" Quellen der taiwanischen Geschichtsforschung gelten. In einem Dialog zwischen dem Autor und einem nicht weiter vorgestellten Gast, der nach dem Frage- und Antwortprinzip aufgebaut ist (Zhoushi kewen 舟師客問), erfährt man so einiges über die Einstellung des Ming-Hofes zur Insel. Nicht nur die geografische Form Taiwans ist den Offiziellen in China jener Zeit fremd, sie bezeichnen die Insel auch noch abwertend als "Land der östlichen Barbaren" (東番), eine typische Nomenklatur für Gebiete, die sich vor allem durch das Nichtvorhandensein der chinesischen Zivilisation auszeichneten.

Auszug aus Zhoushi kewen (frühes 17. Jh.).
So ist es kein Wunder, dass der Gast in einem zentralen Abschnitt nicht nur die Erfolgsaussichten der geplanten Aktion, sondern gleich auch deren Rechtmäßigkeit in Frage stellt, indem er anmerkt, dass es sich bei den Piraten doch um Individuen handele, die sich außerhalb des eigenen, d.h. des kaiserlichen, Territoriums aufhielten (“非我版圖者”). Chen Di antwortet ihm: “Der Ort, an dem die Piraten leben, gehört tatsächlich nicht zu unserem Territorium, doch wenn sie von dort losziehen und Überfälle starten, greifen sie dann nicht auch Teile unseres Territoriums an?”

Die Definition des militärischen Unternehmens als Notwehrreaktion oder Präventivschlag gegen die Piratennester erlaubt also auch den Einsatz in "Übersee," wenn so die Sicherheit von Gebieten, die dem Schutz des Kaisers unterstehen, gewährleistet werden kann. In dieser Quelle werden neben den Südostprovinzen Fujian, Guangdong und Zhejiang auch die Inseln von Kinmen und Penghu als solche "Schutzgebiete" bezeichnet. Taiwan dagegen lag zu jener Zeit sowohl territorial als auch kulturell außerhalb des direkten Einflussbereiches imperial-chinesischer Staatsmacht.

Und im Gegensatz zu Teilen der Führungsriege aus taiwanischer und chinesischer Gegenwartspolitik erhoben damalige Regierungsoffizielle auch keinen derartigen bis ins chinesische Altertum rekonstruierten Anspruch.

Freitag, 31. August 2012

Taiwanlinks #45 August 2012

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Zwischen zwei Taifunen. Abenddämmerung über Taipeh.

Auf Welt Online sinnierte Frank Stocker über den Umweg von Taiwans Währung über Gemeinsames und Trennendes zwischen China und Taiwan. (Wäre CKS auf der Insel mal nur so "allgegenwärtig" wie der 200-NT-Dollar-Schein...)

Asienspiegel, der immer wieder interessante Beiträge zu Taiwan im Programm hat, berichtete diesen Monat unter anderem über Taiwans Standpunkt im Senkaku/Diaoyutai-Inselstreit mit Japan und China.

Bei DerWesten gab es einen Artikel zu lesen, der anscheinend als Werbung für Taiwan als Reiseland gedacht war, dessen Hauptargument dafür aber beim Nachbarn gegenüber liegt. Gähn.

Auf sueddeutsche.de gab es einen Videobeitrag zu den Verwüstungen des Sturms Tembin zu sehen. Wem das nicht reicht, der kann bei Welt Online gleich noch ein weiteres Video bewundern.

Bei der Netzwoche spekulierte man über die politischen Auswirkungen der Verlegung eines Glasfaserkabels auf das Taiwan-China-Verhältnis.

Der Standard brachte eine Vorabankündigung des Geisterfestivals in Keelung.


Dienstag, 31. Juli 2012

Taiwanlinks #44 Juli 2012

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Blick über Taipehs Platz der Freiheit.

Patrick Zoll schrieb für die NZZ eine erfrischend kritische Einschätzung zum Führungsstil des aktuellen taiwanischen Präsidenten seit seiner Wiederwahl im Januar.

Klaus Bardenhagen schrieb für die DW zum Studium von Chinesen in Taiwan.

Unter dem Titel "Vorzeigedemokratie mit dunkler Vergangenheit" befasste sich Martin Aldrovandi mit dem wichtigen Thema der fehlenden Anstrengungen seitens der Regierungspartei KMT die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.

In einem sehr informativen Beitrag stellte Germany Trade & Invest die Maßnahmen vor, mit denen Taiwans Regierung dem demographischen Wandel begegnen will.

Seit Jahrzehnten kümmern sich vor allem Fremdarbeiter aus Südostasien um Taiwans Alte. Über deren harte Arbeits- und Lebensumstände wurde in einem fast schon schonungslosen Artikel (nochmals von Patrick Zoll) für die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Was der Autor über die Realität von ausländischen Pflegekräften in Taiwan schreibt ist bitter, aber dringend der weiteren Verbreitung bedürftig (was nebenbei auch mit zur Ausräumung bestimmter Klischees beitragen könnte).

In einem Beitrag von Ronny Blaschke für die Deutsche Welle wurde über die Teilnahme Taiwans an den Olympischen Spielen unter dem Namen "Chinese Taipei" berichtet.

In der neuen Ausgabe von Taiwan Heute gab es u.a. ein Interview mit Egon Bahr, der den Handlungsspielraum Taiwans in seinem Verhältnis zu China vor allem aus dem Blickwinkel des Internationalen Realismus zu deuten scheint, sowie einen Hintergrundartikel zur Entwicklung der taiwanischen Küche zu lesen.

Samstag, 30. Juni 2012

Taiwanlinks #43 Juni 2012

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Unter dem Titel "Nicht auf der Medienlandkarte" fasst Klaus Bardenhagen in einem kurzen Magazin-Artikel seine eigenen journalistischen Erfahrungen über die regelmäßige Abwesenheit taiwanbezogener Themen in der deutschsprachigen Berichterstattung zusammen. Da Taiwan "zu klein, zu weit weg und politisch kompliziert" für viele deutsche Redaktionen sei, bleiben brauchbare Nachrichten zum Inselstaat eine Randerscheinung in unserer muttersprachlichen Presse. Wie bei den "Massenmedien" mittlerweile üblich geworden, beschränkt man sich dann auch hinsichtlich Taiwan gerne auf Meldungen zu "Skurrilitäten" oder Naturkatastrophen. Diese "Tendenz" (es ist wohl eher schon so etwas wie ein halbewiger status quo) wurde natürlich auch hier in der Vergangenheit schon öfter dokumentiert und lässt sich an einigen Beispielen, gerade in diesem Monat wieder, sehr anschaulich belegen. Eine kleine Auswahl:
(Dem ein oder anderen mag aufgefallen sein, dass ich mir ansonsten mittlerweile die Mühe erspare, solche Beiträge mit in die kleine Presseschau hier aufzunehmen).

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Natürlich, auch das wurde hier schon öfter angemerkt, wird ein tiefergehendes Verständnis zu Taiwans politischer Lage für den geneigten Leser auch nicht durch solche Pressebeiträge vereinfacht, die eindeutig nach dem Baukasten-Prinzip entstanden sind, wobei in diesem oft auch noch gänzlich falsche Teile liegen, nur weil sie anscheinend irgendwer irgendwann mal mit dort hineingelegt hat. Da ich niemandem von Vornherein Böswilligkeit unterstelle, bleibt mir wohl nicht viel anderes übrig als gespannt zu sein, wann auch der letzte Agenturschreiber verstanden hat, dass man Begriffe, die (teilweise seit Jahrzehnten) fälschlicherweise zur Beschreibung von Taiwans Status benutzt werden, durchaus auch mal hinterfragen oder durch korrekte Formulierungen ersetzen darf. Selbst bei einem konstanten Haupt-/Nebensatzverhältnis von ≥1:1 ließe sich so sicherlich der ein oder andere Sachverhalt vielleicht doch noch ein klein wenig anschaulicher darstellen. Wer will, kann ja z.B. mal zum Test alle Ungenauigkeiten in diesem aktuellen dapd-Video zusammensuchen. Der Beitrag behandelt ein weiteres "großes Thema" der taiwanbezogenen Berichterstattung: das Verhältnis der Insel zur Volksrepublik China (Kriegspotenzial!). Natürlich ist auch die Tatsache, dass Taiwan selbst hinsichtlich dieses Themenkomplexes eher uninteressant zu sein scheint und die der Insel entgegengebrachte Aufmerksamkeit einzig und allein aus ihrer Nähe zum "großen Nachbarn" resultiert, wiederum nicht ohne eine gewisse Ironie.

Selbst einer der Artikel, die sich verhältnismäßig viel Raum nehmen, um das Thema abzuhandeln sind oft voll von Ungenauigkeiten. Im Deutsche Welle-Artikel Entspannung an der Taiwan-Straße etwa: "Wiedervereinigung," "Konsens von 1992," "status quo," und selbst der Hinweis auf den offiziell (zumindest einseitig) noch anhaltenden "Bürgerkrieg." Alle diese Begriffe hätten durchaus die ein oder andere Anmerkung verdient. Stattdessen wird an mehreren Stellen das Mantra der "militärischen Entspannung" sowohl weitergesponnen als auch gleichzeitig wieder entkräftet (wie im Übrigen im oben genannten Video auch).

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Wer sich dennoch einigermaßen regelmäßig aus kostenlosen deutschsprachigen Quellen über andere als nur die oben genannten aktuellen Geschehnisse in Taiwan informieren möchte, für den könnten folgende Links nützlich sein: das deutschsprachige Programm von Radio Taiwan International, die InfoBriefe(/s) des Deutschen Wirtschaftsbüros in Taipei oder auch die vom Münchener Büro der Taipeh Vertretung herausgegebene Publikation "Taiwan aktuell." (Deren Layout zufällig oder nicht sehr an die früher vom Hamburger Asieninstitut herausgegebene Fachzeitschrift "China aktuell" erinnert.)

Donnerstag, 31. Mai 2012

Taiwanlinks #42 Mai 2012

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Gedränge am Shilin-Nachtmarkt.

Klaus Bardenhagen schrieb für die Deutsche Welle einen Bericht über die Presbyterianische Kirche und deren frühe Verflechtung mit der Unabhängigkeitsbewegung Taiwans.

In der Mediathek von n-24 gibt es ein Geschichts-Video zu bestaunen, dass u.a. davon erzählt wie Chiang Kai-shek im Mai 1954 "von der taiwanischen (sic) Nationalversammlung" zum "Präsidenten von Taiwan (sic)" gewählt wurde.

Stattzeitung-Plus berichtete über die Eröffnung des ersten Bubble-Tea-Ladens in Ingolstadt. Das "Kultgetränk aus Taiwan" scheint ja bereits seit geraumer Zeit langsam aber sicher immer mainstreamiger in Deutschland zu werden.

Die Welt hat sich eine Aufführung des taiwanischen Cloud Dance Theaters in Wolfsburg angeschaut und berichtete über Aufrüstungsvorhaben der Marinestreitkräfte (zu letzterem brachte die Basler Zeitung einen längeren Beitrag).

The European Circle machte mit diesem Interview auf die Möglichkeit aufmerksam, den Taiwanurlaub mit einer Fahrradrundreise zu verbinden.

Außerdem gab es die neueste Ausgabe von Taiwan Heute.

Sonntag, 20. Mai 2012

Großprotest der Opposition in Taipeh

Mehrere Oppositionsparteien Taiwans hatten für den heutigen Tag zu Großdemonstrationen gegen die Politik der Ma-Regierung aufgerufen. Anstelle eines bestimmten übergreifenden Themas war die Veranstaltung eher eine Gelegenheit für alle, die unzufrieden mit der KMT-Politik der vergangenen vier Jahren waren, am Vortag der zweiten und letzten Amtseinführung Ma Ying-jeous als Präsident ihrem Unmut Luft machen.

Von mehreren Punkten in Taipeh aus wanderten die Demonstrationszüge in Gruppen um bzw. durch das Regierungsviertel, um schließlich in der Nähe des Hauptquartiers der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) an der Beiping-Straße zusammenzulaufen.

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Der Protest sollte zwar schon ab 16:00 Uhr losgehen, ich bin allerdings erst am Abend losgezogen und zunächst mit der Bahn zur Chiang Kai-shek-Gedächtnishalle gefahren. Hier sah man bereits das Ergebnis fleißiger Polizeiarbeit im Vorfeld der morgigen Amtseinführung des neuen alten Präsidenten.

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Das Areal um den Amtssitz des Präsidenten war zu diesem Zeitpunkt großräumig abgeriegelt und von einer Vielzahl an Polizeieinsatzkräften umgeben.

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Danach bin ich zu Fuß weiter zum friedlichen aber lautstarken Teilnehmer-Gemenge vor der Freilichtbühne nahe der DPP-Zentrale gelaufen.

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Wie bei vielen Oppositionsprotesten so war auch bei dieser wieder auffällig, dass sich vor allem ältere Teilnehmer engagierten, die mit ihren Anti-Ma-, Anti-KMT- und Pro-Taiwan-Sprüchen die Stimmung prägten. Auf dem Shirt des Herrn in der Mitte steht etwa: "Bringt das Pferd (=Präsident Ma) zu Fall, rettet Taiwan".

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Etwas deftiger fiel dieses Spruchband aus, das den Präsidenten nicht nur zum "Volksfeind" erklärt, sondern sich ein weiteres Wortspiel erlaubt, indem es das Zeichen "jiu" oder "neun" in Mas Vornamen durch das Zeichen "gou" also "Hund" ersetzt. Beide Zeichen sind in einer möglichen Aussprachenvariante des Taiwanischen lautgleich.

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Auch immer gerne gesehen: die Betonung der eigenen Heimat Taiwan. Vielleicht sollte dieser Stand, der mit einheimischen Fleischprodukten wirbt, einen Gegenakzent zu der von der KMT geplanten Lockerung des Einfuhrverbots für umstrittenes US-amerikanisches Rindfleisch setzen.

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Eine andere Gruppe warb mit diesem kleinen Stand und kostenlosen Info-Materialien für eine Unterschriftenaktion gegen Atomenergie.

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Wie immer so galt auch dieses Mal, dass es nicht nur auf die Inhalte ankommt, sondern auch mit wie viel Lärm sie begleitet werden.

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Das grüne Spruchband mit der weißen Schrift im Hintergrund war mir noch von früheren Protestaktionen bekannt.

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Recycelt wurden auch diese Tsai Ing-wen-(蔡英文) Memorabilia, die von der letzten Präsidentschaftswahl Anfang des Jahres übrig geblieben sein dürften. Die DPP-Kandidatin unterlag dem Amtsinhaber Ma mit 46% zu 51% der Stimmen.

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Einer der Bühnen-Sprecher war Hsieh Chang-ting (謝長廷), ehemaliger Premier unter Präsident Chen Shui-bian (陳水扁) und unterlegener DPP-Präsidentschaftskandidat bei der vorletzten Wahl 2008.

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Zu den berühmten Persönlichkeiten, die bei der Veranstaltung am Abend auftraten, gehörte u.a. Chen Ming-chang (陳明章), der mit seinen sanften Balladen einen starken Gegensatz zu dem Trompeten-Lärm und den "hipperen" Musikeinlagen bildete.

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Ein letzter Blick über einen Teil der Protestanten an diesem Abend.

Leider habe ich es dieses Mal nicht geschafft, den Zug über längere Zeit zu begleiten. Von dem kleinen Teil zu schließen, den ich miterlebt habe, gab es aber wieder so ziemlich alles, was für diesen Aspekt der politischen Kultur Taiwans typisch ist: die unverblümten und bodenständigen Polit-Slogans, die extreme Lautstärke und Vehemenz, in bzw. mit der diese vorgetragen werden oder die Tatsache, dass ein Protestmarsch zwangsläufig in volksfestartige (oder wenigstens nachtmarktähnliche) Feierlichkeiten mündet. Denjenigen unter Taiwans Bevölkerung, die Ma und der KMT ihre Unterstützung nicht zu Teil lassen kommen wollten und wollen, und sei es auch nur durch Stillschweigen, wurde an diesem Tag jedenfalls ordentlich (und durchaus wörtlich) Gehör verliehen.