
Nahe der National Chengchi University, Taipeh.
Taiwan in der deutschsprachigen Presse.
Politik, Kultur und immer wieder "Taiwan, das Randthema"©:
Tut mir sehr leid für das (selbst fur meine Verhältnisse) wenige Bloggen in den letzten beiden Monaten. Ich erinnere mich mit Scham an meine großspurigen Ankündigungen, denen hiermit in einer virtuellen Gedenkminute nachgesonnen sei...
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Zurück zum Üblichen. Der Oktober war mal herrlich ertragreich.
Zunächst schrieb Klaus Bardenhagen für die Deutsche Welle über die "Trügerische Harmonie in der Taiwan-Straße" und lässt dabei - man wundert sich beinahe, dass sowas noch möglich ist - auch mal eine Stimme der Opposition zu Wort kommen. Bemerkenswert auch der viel zu selten zu lesende Hinweis darauf, dass die Fronten im politischen Miteinander Chinas und Taiwans nicht mehr hauptsächlich zwischen KMT und DPP verlaufen, ja die Linien nicht mal mehr zwischen KMT und KPCh gezogen werden können. Stattdessen steht die DPP in den wichtigen Fragen zur Zukunft Taiwans einer gemeinsamen Phalanx aus KMT und KPCh gegenüber, wobei sie vor allem der KMT als Pfand in Verhandlungen mit der VRCh-Regierung dient. Wie im Artikel richtig bemerkt: "Die Kuomintang ist für die Kommunisten weniger unbequem. Sie hält an der Republik China fest, die laut Verfassung noch immer ganz China umfasst." (Wobei man noch hinzufügen möchte: ... sowie die Äußere Mongolei, Tibet etc...) (01.10.)
Die zweite Pflichtlektüre im Oktober: In einem ausführlichen Text widmete sich der in Taiwan lebende Sinologe und Schriftsteller Stephan Thome der Identitätsfrage seiner Wahlheimat. (01.10.) (Mehr zum Autor hier und hier. Ein Interview mit dem Autor u.a. zur Buchmesse gibt es hier.)
Man könnte ähnlich qualitativ hochwertige Artikel zu Taiwan noch viel häufiger lesen, wenn sich bestimmte Agenturen oder alteingesessene "Leitmedien" nur endlich dazu durchringen könnten, ihre Korrespondenten öfter einmal hier im Lande unterzubringen.
Frankfurter Buchmesse: In der NZZ schreibt Christiane Hammer, dass der Stand Taiwans auf der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr China als Gastland eingeladen hat, zum ersten Mal seinen Namen in "Taiwan Publishers" ändern muss... gut, dass China keine Kultur-Veranstaltungen politisiert, noch besser, dass man in der Buchmesseleitung schon mal mit gutem Beispiel vorangeht und zeigt, wie man sich zu verhalten hat, wenn demnächst das Tributsystem von einst wieder eingeführt werden wird. (07.10., mehr zum Thema hier; und hier für eine Analyse der SZ darüber, wie China "Kultur" als ["unzertrennlichen"] Bestandteil seiner Außenpolitik begreift.)
Auch in der Berichterstattung zur Buchmesse ließ sich bezüglich Taiwan eine neue Tendenz entdecken, man siehe z.B. diesen Artikel bei boersenblatt.net (letzter Absatz), wo man den Eindruck bekommt, die "Wieder"Vereinigung hat schon stattgefunden. Hier geht es zwar um die Buchmesse, aber es ist auffällig, dass auch bei Wirtschaftsartikeln, Taiwan nun immer öfter im Zusammenhang mit China, Hongkong und Macao genannt wird, wo früher gängigerweise von den Tiger-/Drachenstaaten (Taiwan, Korea, Singapur, Hongkong) die Rede war. Ein neuer Trend oder bloß ein falscher Eindruck? (07.10.) (weitere Beispiele: 1, 2) (Wenn man dann noch Artikel wie diesen lesen bzw. Dinge wie diese in Interviews hören muss, kann man sich nur grausig ausmalen, wie Taiwan in Diskussionen der Buchmesse insgesamt wegkam.)
Die für ihre Kooperation mit der Buchmesse kritisierte taz brachte auch ein paar Artikel zur Präsenz Taiwans, sorry, der Taiwan-Verleger. Der Autor dieses Artikels schien ebenso konfus wie der Umgang mit unserem liebgewonnenen Inselstaat auf der Buchmesse: da bekennt er sich erst zum Ein-China-Prinzip nur um dann einen Absatz später von der "Republik Taiwan" zu sprechen. In einem anderen Artikel der taz ging es um die zwei unterschiedlichen Pavillions Taiwans. Auf allen Büchern, die aus Taiwan kamen, prangte der Aufkleber: "Any claim denying the One China Principle in this book will be rejected." Das verstand Hu Jintao in seiner Ansprache Ende 2008 also unter "Betonung des gleichen kulturellen Erbes" und der "Vertiefung der spritituellen Beziehungen" beider Seiten. Wie gesagt, von Politisierung keine Spur.
Vor Ort in Frankfurt war aus Taiwan u.a. die in München lebende Autorin Jade Y. Chen
陳玉慧, deren Roman "Die Insel der Göttin" (Original: 海神家族) ins Deutsche übertragen wurde (hier eine Kurzbesprechung). Ebenfalls aus Anlass der Buchmesse brachte die taz einen Auszug aus dem neuen Buch von Lung Yingtai 龍應台, der sich mit der Belagerung von Changchun während des chinesischen Bürgerkriegs befasst. (13.10.) Mehr Hintergrundinfos zur Neuerscheinung und der Autorin fanden sich bei Spiegel Online. (15.10.) Zum Verbot ihres Buches im Vorfeld des chinesischen Nationalfeiertags schrieb die Epoch Times Deutschland. (05.10.)
In einer Pressemitteilung der Taipeh-Vertretung warb die taiwanische Regierung für ihre Umweltpolitik und gelobt weitere Fortschritte. (01.10.) Die Umwelt schonen wollte auch ein Taipeher Krematorium mit dieser Idee. (07.10.) Und mit einer ganz anderen Idee leistet die Stadt Taichung einen Beitrag, für den wirklich mal die Boulevardpresse herangezogen werden darf. (07.10.)
Hier ein Hinweis auf die Oktober-Ausgabe der Zeitschrift für Gehörlose Life in Sight, die einen Schwerpunkt zu den Deaflympics in Taipeh bringt. (01.10.) Einen begeisterten Rückblick auf die Spiele gab es hier. (10.10.)
Die katholische Kirche feierte 150 jähriges Bestehen in Taiwan. (03.10.)
Anfang Oktober wurden mehrere tausend Menschen zum Teil zwangsweise vor dem Taifun Parma in Sicherheit gebracht. (05.10.)
Die Bürgermeisterin von Kaohsiung Chen Chu sprach vor der Versammlung der Internationalen Stadtplanervereinigung über die Transformation ihrer Stadt. (06.10.)
Eine Studie der Medizinischen Universität von Kaohsiung stellt Verbindung zwischen psychischen Problemen und Internetsucht her. (06.10.) Weitere medizinische Untersuchungen gab es bezüglich der Auswirkungen von Hepatitis-B-Impfungen bei Neugeborenen auf die Diagnose von Leberkrebs. (08.10.)
Im Basketball-Gastspiel in Taipeh (nicht Taiwan!) siegten die Indiana Pacers gegen die Denver Nuggets. (08.10.)
Luxemburg eröffnet Taiwan-Vertretung in Taipeh. (10.10.)
In einer weiteren Pressemitteilung der Taipeh-Vertretung aus Anlass des Nationalfeiertags der Republik China wird noch einmal Werbung für die eigene Politik gemacht. (13.10.)
Bei Welt Online brachte man die Meldung über das Missgeschick eines Geldtransporters (14.10.)
sz-online wies auf die neue Ausgabe von Ostragehege – Zeitschrift für Literatur und Kunst hin, die sich in der neuen Ausgabe in einem Schwerpunkt der taiwanischen Literatur widmet. (14.10.)
Die Zeit ging auf die Probleme des ehemaligen französischen Präsidenten ein, den auch die fragwürdigen Fregattenverkäufe Frankreichs an Taiwan während der 90er Jahre einzuholen droht. (16.10.)
Aus der Reihe Kulturaustausch: Emmendingen begrüßte Gäste aus Taiwan. (16.10.) Mehr hier.
Der Standard schrieb über die etwas andere Betriebsfeier für Yahoo!-Angestellte in Taiwan. (19.10.)
Der Spiegel berichtete über Auswüchse der Buxiban-Kultur. (22.10.)
Über die neueste "Annäherung" zwischen Taiwan und China in Form eines Tourismusbüros konnte man bei tt.com lesen. (24.10.) Vornehmliche Aufgabe wird wohl sein, herauszufinden, wie man denn endlich mal mehr als die Hälfte der angekündigten 3000 chinesischen Touristen anlocken kann. Wenn ich meine chinesischen Bekannten auf eine Reise nach Taiwan anspreche, bekomme ich den Eindruck, dass ein Grundinteresse durchaus vorhanden ist, die Prioritäten bezüglich der Reiseziele aber andere sind. Frei nach dem Motto: ja, Taiwan ist nett, aber alles, was es da zu sehen gibt, haben wir hier in größer und billiger. Argumentier mal dagegen.
Ein Wiener zeigte sich beeindruckt von Taipeher Freundlichkeit und Sauberkeit während seines viertägigen Aufenthalts. (24.10.)Holger Obermann schrieb einen hochinteressanten Artikel über seine Erfahrungen als "Fußball-Entwicklungshelfer" während der 70er Jahre in Taiwan. (24.10.)
Österreichischer Rabbiner in Taiwan erhält Auszeichnung.
Taiwan verschenkte 50 Millionen US$ an Verbündeten. (28.10.)
Der Oktober klang dann ähnlich interessantt aus, wie auch angefangen hatte, mit diesem Standard-Artikel, der auf die immer noch aktuelle militärische Bedrohung Taiwans durch die VBA hinweist. (28.10.) Eine Frage, die sich in dem Zusammenhang immer wieder stellt, ist auch inwieweit eine Reduzierung der Raketen, sollte sie je stattfinden, überhaupt aussagekräftig ist. Wenn die Raketen nicht gleich demontiert werden (oder realistischer verkauft; denn das Raketenarsenal ist ja auch eine nette Geldanlage für China), dann kann man sie natürlich jederzeit zurückstellen. Insofern wäre eine "Reduzierung", welche lediglich darin bestünde, die Raketen "wegzustellen", ein ähnlich schwammiges Zugeständnis wie der WHA-Beobachterstatus im April, nämlich eines, das jederzeit wieder rückgängig zu machen ist.
Ende Oktober fand in Taipeh eine Parade Homosexueller und Unterstützer statt, die für stärkere Gleichberechtigung gleichgeschelchtlicher Paare demonstrierten. (31.10.) (Einen Artikel über die kirchlich organisierte Gegenparade konnte ich hier zum Glück nicht aussmachen.)
China-Observer: USA nehmen Taiwan Relations Act ernst, Waffen gibt es trotzdem erstmal keine. Taiwans Außenministerium will die Beziehungen mit der EU vertiefen. Ma Ying-jeou betont Primat der Wirtschaft in Beziehungen mit China (wie wenig Wirtschaft und Politik im China-Taiwan-Verhältnis wirklich voneinander zu trennen sind, sah man ebenfalls diesen Monat wieder). Präsident will bessere Beziehungen zu den USA. Taiwans Militär testete Chinas Wohlwollen. Obwohl er vor der Wahl anderes versprochen hatte, übernahm Präsident Ma nun doch wie seine beiden Vorgänger den Parteivorsitz. Großes Entsetzen gab es über die Lockerung von US-Rindfleisch-Importen. Wenn ich mich noch an die ganze Aufregung in D wegen BSE erinnern könnte...
Weitere Links von Interesse: Monika Treut (Regisseurin von "Ghost" 曖昧, mehr hier) im Interview mit der Taipei Times. Darüberhinaus brachte die Zeitung einen Artikel über die Kritik deutscher Chinawissenschaftler an der Berichterstattung deutscher Medien über China (vor allem während der Olypmischen Spiele. Das Thema war schon öfter im Blickfeld von Chinawissenschaftlern (PDF). Wenn jetzt Taiwan eine ähnliche Aufmerksamkeit zukommen würde...
Wirtschaft und Technik:
Channelpartner.de schreibt über weitere Lockerungen der taiwanischen Regierung für Investitionen in China mit der Stilblüte: "...im befeindeten kommunistischen Bruderland..." (01.10.)
Bei EMFIS.com erfährt man, dass immer mehr taiwanische LCD-Hersteller nach China abwandern wollen. (05.10.)
Ein Projektteam der Siemens-AG ist nominiert für den "Deutschen Project Excellence Award 2009" (sic!) für die Inbetriebnahme der Kaohisung MRT. (06.10.)
Börse-Go weist auf mögliche Ambitionen der Firma Invantec hin, bald nicht mehr nur Notebooks herzustellen (08.10.) und darauf, dass die Arbeitslosenrate auf Rekordhoch gestiegen ist. (22.10.)
Auf solarserver.de: Taiwanische Firma bestellt Laminieranlage aus Deutschland. (08.10.)
In einer weiteren Presseerklärung zeigt sich Taiwans Repräsentant in Deutschland zuversichtlich über die wirtschaftliche Erholung der Insel. (09.10.) (Mehr dazu hier. Thailand ist eigentlich kein Tigerstaat, aber sicher wie andere Länder Südostasiens eine aufstrebende Wirtschaftsnation. PS: Gerade noch mal nachgeguckt: es gibt für diese Länder tatsächlich den Begriff Pantherstaat... im chinesischen wiederum heißen sie "kleine Tiger", während die Staaten, die wir als "Tiger" bezeichnen "kleine Drachen" genannt werden, alles klar?)
Was macht man eigentlich mit dem ganzen Batzen Geld, das Taiwans renommierteste Universität jedes Jahr zugesprochen bekommt? Natürlich in sinnvolle Forschungsprojekte stecken, wie diesen Roboter-Pandabären... (10.10.)
Taipei Busbahnhof mit Hightech ausgerüstet. (12.10.)
Das Handelsblatt berichtet, dass der angeschlagene US-Versicherer AIG seine Taiwansparte für 2,2 Milliarden US-Dollar losgeworden ist. (13.10.)
Golem.de sieht Taiwans Industrie als Gewinner im E-Book-Geschäft. (16.10.)
Channelpartner.de über die wertvollsten Marken Taiwans. (19.10.)
ibtimes.de über Taiwans überraschend gute Exportsituation. (23.10.)
Taiwan wurde von der Beobachterliste der Financial Action Task Force on Money Laudering (FATF) gestrichen. (24.10.)
Auf http://german.china.org.cn/ hat man es geschafft, einen ganzen Artikel über wirtschaftliche Beziehungen zwischen Taiwan und China zu schreiben, ohne den Ausdruck "chinesische Inselprovinz" zu verwenden. (26.10.)
Finanzwirtschafter.de fragte, bald noch mehr Devisenhandel zwischen China und Taiwan? (30.10.)


















