
Zwei bereitstehende Drachenboote im Fluss der Liebe in Kaohsiung.
Aus aktuellem Anlass: Diese Woche stand ganz im Zeichen des Drachenbootfests (Duanwujie 端午節): Die deutsche Seite von Radio Taiwan International hatte einen schönen Hintergrundbericht.
Auch sonst waren die Zeitungen voll vom alljährlichen Ereignis: Die Taipei Times über ein besonderes Drachenboot aus Yilan. Viele Taipeher nutzten das lange Wochenende für einen Ausflug außerhalb der Stadt. Gesundheitsspezialisten warnen, dass viele der traditionellen zongzi 粽子 Kalorienbomben sein können. Auch die Wasserqualität der Flüsse Taiwans wurde überprüft, wobei die Umweltbehörde zu dem wenig beruhigenden Ergebnis kam:
[EPA Water Quality Protection Director-General] Chen said that because rowers will not have direct contact with the water, the definition of "waters suitable for dragon boat rowing" is that the water "isn't oxygen-deficient [and therefore] does not smell."1) zerstreut das nicht gerade meine Bedenken, 2) hat anscheinend noch nie jemand von denen selbst an so einem Rennen teilgenommen. Wer nicht in direkten Kontakt mit dem Wasser kommt, sitzt jedenfalls bestimmt auch nicht in einem Drachenboot. Ich kann jedenfalls jetzt bestätigen, dass das Wasser im Liebesfluss 愛河 hier in Kaohsiung in der Tat salzig ist. Hmpf.
Taiwan in der deutschsprachigen Presse.
Politik, Kultur und immer wieder "Taiwan, das Randthema"©:
Nachträge: Leider erst später gefunden: dieser Artikel von Presse.com (27.04.2009) über eine Ausweitung der Direktflüge zwischen Taiwan und China. Erwähenswert ist die Variation des Schlussabsatzes, der traditionell in aller Kürze die Beziehungen der beiden Staaten erläutern soll:
Nach dem Sieg der Kommunisten in China 1949 hatte sich die Nationalregierung von Diktator Tschiang Kai-schek auf die Insel Taiwan zurückgezogen. Die Nationalisten betrachteten sich als legale Regierung der Republik China, während auf dem Festland die Volksrepublik China errichtet wurde.
Es fehlt zwar immer noch einiges (z.B., dass es nicht nur China-Nationalisten in Taiwan gab/gibt), aber trotzdem ist der hier weitaus besser als etwaige Geschichtsverdrehungen, die man sonst so liest.
Darüber hinaus gab es am 30.04.2009 in der ZEIT noch dieses interessante Interview mit Torsten Oestergaard vom Globen-Hersteller Columbus-Verlag. Auf die Frage, woher man die Informationen für die Länderdarstellungen nimmt, antwortet Oestergaard:
Darüber hinaus gab es am 30.04.2009 in der ZEIT noch dieses interessante Interview mit Torsten Oestergaard vom Globen-Hersteller Columbus-Verlag. Auf die Frage, woher man die Informationen für die Länderdarstellungen nimmt, antwortet Oestergaard:
Oft rufen uns Botschafter an, die uns Neuerungen aus ihren Ländern mitteilen. Wir fragen dann beim Auswärtigen Amt nach, ob die Infos stimmen. Es gibt ja verschiedene Sichtweisen auf die Welt. Wir richten uns nach der westlichen. Für uns gibt es zum Beispiel 194 Länder auf der Erde. Die Arabischen Emirate hingegen haben ein Land mehr auf ihrer Karte: Palästina. Und China rechnet mit weniger Staaten, da die Regierung der Meinung ist, dass ihrem Land viel mehr von der Welt gehört. Taiwan zum Beispiel oder die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer, um die sich verschiedene Staaten streiten. Und gerade haben unsere Kartografen erfahren, dass die Chinesen nun den Mount Everest in Qomolangma Peak umbenennen wollen.
Heißt das im Umkehrschluss, dass unser Auswärtiges Amt anderer Meinung ist? Somebody call somebody.
Weiter geht's mit den Links vom Mai:
Der Standard (01.05.2009) äußert sich zur weltweit tendenziell abfallenden Pressefreiheit, u.a. auch in Taiwan. (Mehr dazu in der Taipei Times "Group monitoring Taiwan Press", 06.05.2009)
In der NZZ (02.05.2009) wird deutlich, dass die Degradierung Taiwans von einem Staat zu einer Region unter der Ma Ying-jeou-Regierung erste Früchte trägt. In einem Artikel über die "Renaissance der Atomenergie" steht dort:
Weiter geht's mit den Links vom Mai:
Der Standard (01.05.2009) äußert sich zur weltweit tendenziell abfallenden Pressefreiheit, u.a. auch in Taiwan. (Mehr dazu in der Taipei Times "Group monitoring Taiwan Press", 06.05.2009)
In der NZZ (02.05.2009) wird deutlich, dass die Degradierung Taiwans von einem Staat zu einer Region unter der Ma Ying-jeou-Regierung erste Früchte trägt. In einem Artikel über die "Renaissance der Atomenergie" steht dort:
Laut der IAEA beschränkt sich die Zahl derjenigen, welche die Kernenergie für zivile Zwecke nutzen, derzeit auf 30 Staaten sowie Taiwan.
An anderer Stelle ging sie im Zusammenhang mit der "Schweinegrippe" auch kurz auf Taiwans Zulassung als Beobachter zur WHA ein (unter "Chinas neue Einstellung").
Über die Pekinger Kunstausstellung "Art Beijing" an der auch ein Taiwaner beteiligt ist, schreibt Eugenia Hu für Welt Online (02.05.2009):
Über die Pekinger Kunstausstellung "Art Beijing" an der auch ein Taiwaner beteiligt ist, schreibt Eugenia Hu für Welt Online (02.05.2009):
Die Main Trend Gallery aus Taipeh veräußerte eine 4-teilige Fotoarbeit des 1956 geborenen Taiwan-Chinesen Wu Tien Chang an einen Europäer - für 48 000 Dollar. Inspiriert von Pieter Breughel transformiert Chang in seiner inszenierten Fotoarbeit Figuren des Altmeisters in eine Welt zwischen kalten Betonburgen und "Starbucks"-Wärme.
(Hoffentlich werden solche Formulierungen ein Trend, und wir lesen demnächst auch: Inder-US-Amerikaner, Singapur-Chinese usw.)
Newsclick.de (06.05.2009) stellt in einem kurzen Beitrag den Gründer des "Cloud Gate Dance Theatres" 雲門舞集, Lin Huaimin 林懷民, vor. Interviews mit Lin gab es auch bei Welt Online (11.05.2009) und der Frankfurter Rundschau (11.05.2009). Noch mehr beim Tagesspiegel (19.05.2009).
In der Allgemeinen Zeitung (laut Eigenaussage "älteste Tageszeitung Namibias", 07.05.2009) gab es einen Artikel über Chinas Engagement in Afrika. Darin lässt sich der Sonderbotschafter Pekings für Afrika, Liu Guijin, mit den Worten zitieren:
Newsclick.de (06.05.2009) stellt in einem kurzen Beitrag den Gründer des "Cloud Gate Dance Theatres" 雲門舞集, Lin Huaimin 林懷民, vor. Interviews mit Lin gab es auch bei Welt Online (11.05.2009) und der Frankfurter Rundschau (11.05.2009). Noch mehr beim Tagesspiegel (19.05.2009).
In der Allgemeinen Zeitung (laut Eigenaussage "älteste Tageszeitung Namibias", 07.05.2009) gab es einen Artikel über Chinas Engagement in Afrika. Darin lässt sich der Sonderbotschafter Pekings für Afrika, Liu Guijin, mit den Worten zitieren:
„Wir mischen uns nicht in die internen Angelegenheiten ein und knüpfen an Unterstützung keinerlei Bedingungen.“
Der Journalist der AZ reagiert darauf mit einer Frage, die nur als brilliant bezeichnet werden kann und die Heuchelei hinter den obigen Worten aufdeckt:
Auf die Frage der AZ, ob die Nicht-Anerkennung des Staates von Taiwan sowie die Nicht-Anerkennung des tibetanischen geistlichen Führers im Exil, des Dalai Lama, als Voraussetzung für freundliche Beziehungen zwischen China und individuellen Afrika-Ländern gälten, räumte Guijin ein, dass Taiwan von wesentlicher Bedeutung sei, da die Volksrepublik die Wiedervereinigung mit der Insel anstrebe. „Die Anerkennung des vereinigten China ist von fundamentaler Bedeutung und für bilaterale politische und Wirtschaftsbeziehungen unbedingt wichtig. Die Mehrzahl der Staaten (in Afrika) haben das anerkannt.“ Guijin hat die Frage nach dem geistlichen Führer Dalai Lama unbeantwortet gelassen.
Spiegel Online (14.05.2009) mit einem gut informierenden Artikel zu einem neuen Chiang Kai-shek gewidmeten "Diktator-Museum". (Zum merkwürdigen Artikel über CKS in der taz hatte ich schon hier geschrieben.)
Die Rheintalische Volkszeitung (15.05.2009) über den Besuch eines taiwanischen Wing-chun-Kung-Fu-Großmeisters bei seinen ehemaligen Schülern.
SZ (18.05.2009): US-Präsident Obama ernennt den ehemals als Missionar in Taiwan tätigen Jon Huntsman zum neuen Botschafter in China.
In der Kleinen Zeitung (20.05.2009) gibt es einen Artikel, der sich - anscheinend aus Anlass der Demonstrationen (siehe mein vorheriges Post für die Proteste in Kaohsiung) wiedermal mit der "Entspannung" zwischen Taipeh und Peking beschäftigt, die natürlich nur eine Entspannung zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien KMT und KPCh ist. Auch schade, dass hier ohne weitere Angaben nur die Demonstranten-Teilnehmerzahl ausgegeben wird, die der Bürgermeister von Taipeh (KMT!) vorgelegt hat. Erfrischend abwechselnd ist aber der Schluss:
Die Rheintalische Volkszeitung (15.05.2009) über den Besuch eines taiwanischen Wing-chun-Kung-Fu-Großmeisters bei seinen ehemaligen Schülern.
SZ (18.05.2009): US-Präsident Obama ernennt den ehemals als Missionar in Taiwan tätigen Jon Huntsman zum neuen Botschafter in China.
In der Kleinen Zeitung (20.05.2009) gibt es einen Artikel, der sich - anscheinend aus Anlass der Demonstrationen (siehe mein vorheriges Post für die Proteste in Kaohsiung) wiedermal mit der "Entspannung" zwischen Taipeh und Peking beschäftigt, die natürlich nur eine Entspannung zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien KMT und KPCh ist. Auch schade, dass hier ohne weitere Angaben nur die Demonstranten-Teilnehmerzahl ausgegeben wird, die der Bürgermeister von Taipeh (KMT!) vorgelegt hat. Erfrischend abwechselnd ist aber der Schluss:
Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Chen Shui-bian betrachtet der 58-jährige Ma die Insel ebenso wie Peking als untrennbaren Teil Chinas. Mas Regierung lehnt die staatsrechtliche Eigenständigkeit Taiwans ebenso ab wie eine Vereinigung mit dem Festland unter den derzeitigen Bedingungen.
Zwar betont auch Ma die Souveränität der Insel, aber nicht unter dem Namen "Taiwan".
Auch der Artikel in der SZ (20.05.2009, ganz unten) gibt nur die Teilnehmerzahlvorgabe des Taipeher Bürgermeisters wieder.
Die FAZ (21.05.2009) (und viele andere) berichteten über den eher unharmonische EU-China-Gipfel. Weil Chinas Regierung jedwede Einmischung in seine "inneren Angelegenheiten" verbietet, "lehnte Peking einen Passus ab, in dem eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen China und Taiwan gefordert wird."
20min.ch (22.05.2009) mit einem kurzen Beitrag über das World-Games-Stadion hier in Kaohsiung. Ich denke, dass ich mir das so langsam auch mal anschauen gehen muss. [Nachtrag: bereits erledigt.]
Auch auf Welt Online (22.05.2009) gibt es einen Text, anlässlich der Pressekonferenz Ma Ying-jeous für ausländische Journalisten. Schade, dass trotz der Länge dieses Textes nur ein einziges Sätzchen auf den Widerstand der Opposition eingeht und sich der Rest fast wie ein Werbetext zur bisherigen Regierungszeit (inklusive der "Leistungen") des Präsidenten, der umfangreich zitiert wird, liest. Ähnliches gilt auch für den Artikel vom 25.04.2009. Was denn nun, "neuer Pragmatismus" oder "alter Status quo"? Beides Begriffe, die gerade in ihrer widersprüchlichen Verwendung einer gründlichen Hinterfragung bedürfen.
Dass Präsident Ma vor kurzem eine Pressekonferenz gegeben hat, hat unter anderem zur Folge, dass auch in der ZEIT (24.05.2009) noch mal ein kurzer und bündiger Artikel zu Taiwan steht, der auf das geplante Handelsabkommen mit China eingeht.
Auch der Artikel in der SZ (20.05.2009, ganz unten) gibt nur die Teilnehmerzahlvorgabe des Taipeher Bürgermeisters wieder.
Die FAZ (21.05.2009) (und viele andere) berichteten über den eher unharmonische EU-China-Gipfel. Weil Chinas Regierung jedwede Einmischung in seine "inneren Angelegenheiten" verbietet, "lehnte Peking einen Passus ab, in dem eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen China und Taiwan gefordert wird."
20min.ch (22.05.2009) mit einem kurzen Beitrag über das World-Games-Stadion hier in Kaohsiung. Ich denke, dass ich mir das so langsam auch mal anschauen gehen muss. [Nachtrag: bereits erledigt.]
Auch auf Welt Online (22.05.2009) gibt es einen Text, anlässlich der Pressekonferenz Ma Ying-jeous für ausländische Journalisten. Schade, dass trotz der Länge dieses Textes nur ein einziges Sätzchen auf den Widerstand der Opposition eingeht und sich der Rest fast wie ein Werbetext zur bisherigen Regierungszeit (inklusive der "Leistungen") des Präsidenten, der umfangreich zitiert wird, liest. Ähnliches gilt auch für den Artikel vom 25.04.2009. Was denn nun, "neuer Pragmatismus" oder "alter Status quo"? Beides Begriffe, die gerade in ihrer widersprüchlichen Verwendung einer gründlichen Hinterfragung bedürfen.
Dass Präsident Ma vor kurzem eine Pressekonferenz gegeben hat, hat unter anderem zur Folge, dass auch in der ZEIT (24.05.2009) noch mal ein kurzer und bündiger Artikel zu Taiwan steht, der auf das geplante Handelsabkommen mit China eingeht.
Wenn man etwas ausbalanciertere Texte lesen will, hilft einem RTI weiter (hier über die sehr nützliche Seite China-Observer): so z.B. über das von der Opposition angestrebte Referendum über ein Wirtschaftsabkommen zwischen Taiwan und China.
Auf Finanznachrichten.de (25.05.2009) will man mit einigen "China-Mythen" aufräumen, u.a. dass es Taiwan angreifen will. Der Autor schreibt in seinem Fazit:
Auf Finanznachrichten.de (25.05.2009) will man mit einigen "China-Mythen" aufräumen, u.a. dass es Taiwan angreifen will. Der Autor schreibt in seinem Fazit:
Ich kann derzeit wahrlich keine Anzeichen dafür erblicken, dass sich China militärisch austoben will oder gar nur seine Muskeln spielen lässt. Außer dem Tibet-Konflikt und den Unruhen in den islamischen Westprovinzen ist alles ruhig im Land des großen Drachen. [...]
Ob 1300 auf Taiwan gerichtete Raketen und das immer noch gültige "Anti-Sezessionsgesetz" als "Anzeichen" nicht ausreichen? Und sind die in den letzten beiden Jahren mehrmals stattgefunden habenden Vorkommnisse, in denen China die US-amerikanische Marine vor den Kopf gestoßen hat oder die immensen Militärausgaben (ja, kein Vergleich zu den USA - aber von wem wird China militärisch bedroht?) keine Muskelspielerei? Stattdessen soll man glauben, wenn China stets "seine Friedfertigkeit" betont und das trotz territorialer Ansprüche über Gebiete seiner Nachbarstaaten? Natürlich wäre ein Krieg mit Taiwan (oder sonst einem Land der Region) absolut irrational angesichts der wirtschaftlichen Verflechtung, aber wurden Kriege bisher immer nur aus rationalen Gründen geführt?
Bleibt zu hoffen, dass der Autor trotzdem Recht hat.
Die Epoch Times Deutschland (25.05.2009) bringt einen Hintergrundartikel über den taiwanischen Schwertmacher Chen Shih-Tsung.
Der Standard bringt noch einmal einen Artikel zum Prozess um Ex-Präsident Chen. Dem Titel nach scheint man sich hier in die Welle der Vorverurteiler einreihen zu wollen, tatsächlich ist der Artikel in seinen Beurteilungen bezüglich der Konsequenzen für die Opposition und ihrer Ideale aber ziemlich treffsicher. Bleiben ein paar Kleinigkeiten, die negativ auffallen: Nicht Su Tseng-chang, sondern Chang Chun-hsiung war der letzte Premier unter Chen Shuibian - kann man aber bei den vielen Routierungen schon mal durcheinanderbringen. Unbedingt anmerken sollte man aber, dass Chen nicht vor allem in der DPP noch Annhänger hat, sondern bei den diveren Organisationen, die sich für die Unabhängigkeit Taiwans einsetzen (längst keine alleinige Domäne der DPP!), und die vor allem für die Ausrichtung des Protestmarsches in Kaohsiungs verantworlich zeichneten (die "offizielle" Demonstration der DPP hat sich auf Taipeh konzentiert). (Überhaupt hat die Zeitung die Entwicklungen um den Prozess im Mai mit Kurzmeldungen begleitet, siehe auch hier und hier.)
via GoogleNews (28.05.2009): Internetbetrüger in Taiwan gefasst.
Zwei Videobeiträge gab es bei Spiegel Online: "Chinesische" Dschunke sinkt vor der Küste Taiwans und ein Kran in Taipeh fällt auf Bus mit chinesischen Touristen.
Die andere Seite:
Zum Treffen KPCh-KMT-Treffen zwischen den jeweiligen Vorsitzenden Hu Jintao und Wu Poh-Hsiung gab es auch bei China Radio International einige Beiträge, die betonen wie wichtig diese Maßnahmen "für die Vertiefung des Vertrauens zwischen beiden Parteien" (sic!!) seien. Man beachte auch wie einem hier ganz im Zeichen des "Realität durch Wiederholung schaffen"-Prinzips das Wort "Inselprovinz" unter die Nase gerieben wird. Ganz so als wolle der Artikel in, neben, hinter, vor und natürlich auch zwischen jeder einzelnen Zeile sagen: And don't you forget it!
Auch bei anderen Artikeln zum Thema gab es Stilblüten, die den ideologischen Sprachkonventionen geschuldet sind, z.B. ist in diesem und diesem (und einer Reihe anderer) die Rede von der "chinesischen KMT" bzw. der "chinesischen Kuomintang", also dem Äquivalent zu eines Begriffes wie der "deutschen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands".
Kein Zufall, dass auch die chinesischen Medien in diesem Zusammenhang den Vorteil von Umfragen erkannt haben, solange sie nur die eigene Linie günstig wiedergeben.
Wirtschaft und Technik:
Emfis.com (04.05.2009) schreibt über äußerst positive Prophezeitungen von Goldman Sachs für den taiwanischen Aktienmarkt im Zuge der zunehmenden Zusammenarbeit zwischen China und Taiwan. Auch 4investors.de (06.05.2009) bringt Zahlen zum sich rapide erholenden TAIEX. (In der FAZ vom 30.04.2009 sah man das noch skeptischer, dort war zu lesen: "Die allgemeine Wirtschaftseuphorie, die sich kleinsten Anzeichen für eine Stabilisierung auf niedrigstem Niveau ableitet, zeigt sich auch in Taiwan in extremer Form.")
Im Handelsblatt (05.05.2009) sieht man die Wirtschaftskrise als Auslöser für eine Annäherung zwischen China und Taiwan, die eigentlich eine Annäherung zwischen der KPCh und der KMT ist. Und für diese sich hier im Sinne einer "Stärkung der taiwanesischen Märkte" durchaus auch positiv ausgesprochen wird, selbst wenn das den "separatistischen Kräfte[n] der demokratisch regierten Insel [sic!!!]" nicht gefallen sollte.
IT-News (07.05.2009) mit der Meldung, dass der Einstieg von der China Mobile bei der taiwanischen Telekommunikationsfirma Far Eastone aufgrund des Einschreitens von Taiwans Medienaufsichtsbehörde (NCC) vorübergehend gestoppt wurde.
Aktienchek (14.05.2009) meldet, dass AIG über den Verkauf seiner taiwanischen Lebensversicherungssparte nachdenkt. Und etwas später (21.05.2009), dass sich die Wirtschaftsleistung der Insel stark verringert hat.
N-TV (15.05.2009, Mitte): schreibt, dass die "verbesserten Beziehungen" auch auf den Aktienmarkt in China positive Auswirkungen haben.
BörseGo (18.05.2009) meldet die Ernennung des Taiwaners James C. We in den Vorstand von Beiersdorf. Und dass die Arbeitslosenrate auf ein Rekordhoch angestiegen ist. (22.05.2009)
Die FAZ (21.05.2009) bringt einen längeren Artikel darüber, wie die Annäherung Taiwans an China der Börse auf der Insel hilft. Leider finden sich auch hier übliche historische Vereinfachungen in Artikeln über Taiwan, z.B.:
Chinesische Unternehmen dürfen erstmals wieder in Taiwan investieren, was ihnen seit der Abspaltung der Insel vom Reich der Mitte im Jahr 1949 verwehrt war.
Tatsächlich hat es keine "Abspaltung der Insel" gegeben, sondern nur ein Auseinandergehen der beiden Bürgerkriegsparteien KPCh und KMT, von denen letztere als Fremdregime auf Taiwan insbesondere durch die USA geschützt und toleriert worden ist.
Heise Online (25.05.2009) über Proteste gegen taiwanischen Apple-Zulieferer.
Die SZ (28.05.2009) über den Niedergang einer taiwanischen Weltmarke (BenQ).
RTI/China-Observer (28.05.2009) über "Taiwans optimistisch schwächelnde Wirtschaft".
In eigener Sache: Wie dem ein oder anderen aufgefallen sein dürfte, hat sich das Layout des Blogs während der letzten paar Tagen etwas verändert. Eine der Hauptumstellungen neben der nun dreispaltigen Vorlage ist der Umzug meiner Bilder auf die Flickr-Server. Die Zeit war schon lange reif dafür, das ungelenke und in seinen Funktionen arg eingeschränkte Bildbearbeitungswerkzeug von Blogger in die Mottenkiste zu packen. Unter anderem sind jetzt auch größere und klarere Bilder möglich. Je nach Zeit und Lust werde ich rückwirkend einige der Foto-Beiträge überarbeiten (so wie u.a. bereits geschehen mit dem vom Protestmarsch in Kaohsiung diesen Monat) sowie versuchen, das Layout noch weiter zu optimieren. Feedback gerne erwünscht!
4 Kommentare:
hi!
mir gefällt die neue Gestalt! Zur Info gehöre ich auch zur Mehrheit in Taiwan: ich fühle mich 100% als eine Taiwanerin.
Gruß,
Karan
Danke Karan!
Mit der Identität liegst du voll im Trend! :)
Hast du denn von außerhalb einen klareren Blick auf das eigene Land? Mir geht es jedenfalls oft so.
bei mir ist es auch so. Seitdem ich im Ausland bin, kommen die Fragen im Bezug auf "Taiwan,China" sehr haeufig auf mich zu, oder haben mich teilweise gezwungen, mich intensiver damit zu befassen. Ich sage auch oft zu meinen Freunden in Taiwan, wie wichtig es ist,die Identitaet festzulegen und man merkts um so mehr, wenn man sich nicht im eigenen Land befindet. Und, zu wie viel Prozent fuehlst du dich als Taiwaner oder Deutscher? :)
Gar nicht so einfach zu beantworten. Ich würde sagen, wenn ich mit dem Motorroller unterwegs bin, dann bin ich schon erschreckend "localised".
Ansonsten kämpft der deutsche Europäer in mir noch stark mit der Verschreibung an das (in der Regel sehr liebenswürdige!) 差不多-Prinzip. ;)
Aber ich bin ja noch was länger hier. Und wenn ich an mein gestriges Telefongespräch mit einem deutschen Amt denke... wer weiß, was da noch alles passiert!
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